Projekt Herpetofauna NRW

Einleitung

Der Arbeitskreis Amphibien und Reptilen in Nordrhein-Westfalen kartiert und erforscht seit langem die Amphibien- und Reptilienfauna (Herpetofauna) unseres Landes. Im Rahmen eines Projektes, das im Frühjahr 1993 begonnen wurde, untersuchen ca. 430 ehrenamtliche Mitarbeiter und Informanten im ganzen Land die Bestände der Amphibien und Reptilien.

Träger des Projektes sind die Arbeitsgemeinschaft biologisch-ökologische Landeserforschung e.V. (ABÖL) mit Sitz in Münster, der unser Arbeitskreis offiziell angeschlossen ist, und die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forstplanung (LÖBF) in Recklinghausen, die das Projekt organisatorisch unterstützt.

Ziele

Als wichtigste Ziele der Herpetofauna NRW sind zu nennen:
- die Erstellung aktueller Verbreitungskarten für alle in NRW vorkommenden Amphibien- und Reptilienarten auf Basis halbquantitativer Bestanderhebungen,
- die Erstellung einer aktualisierten Roten Liste und
- die Erarbeitung einer landesweiten Herpetofauna sowie
- eines Handbuches für den Amphibien- und Reptilienschutz

An Einzelaufgaben lassen sich formulieren:
Notwendig ist zunächst eine flächendeckende, qualitative Kartierung, für die auch im Hinblick auf die Vergleichbarkeit mit den alten Kartierungen eine Meßtischblatt-Quadrantenkartierung gewählt wurde. Basis der gesamten Arbeit ist eine Fundpunkt-Kartierung, die sowohl den wissenschaftlichen Auswertungen als auch der Naturschutzarbeit zur Verfügung stehen soll. Halbquantitative Untersuchungen auf repräsentativen Teilflächen des Landes sollen die Grundlage zur Abschätzung der nordrhein-westfälischen Amphibien- und Reptilienbestände bilden. Ein Vergleich der alten und der neuen Daten soll ggf. eine Trendanalyse ermöglichen. Eine raumbezogene Analyse der Gefährdungsursachen (z.B. Straßenverkehr, Land- und Forstwirtschaft) wird angestrebt. Fundpunktkarten ausgewählter Arten machen spezifische Verbreitungsmuster deutlich (z.B. Seefrosch entlang der Flussläufe?). Rand-Punktkarten der Arten, die bei uns ihre Verbreitungsgrenze erreichen (z.B. Fadenmolch, Geburtshelferkröte, Wechselkröte, Mauereidechse) sollen diese möglichst lagetreu kennzeichnen.

Vorgeschichte

Noch um 1975 waren allenfalls 10 Personen in Westfalen mit der Erfassung und systematischen Bestandserhebungen einheimischer Arten befasst, im Rheinland waren noch weniger. In der Zwischenzeit hat die Popularität der Amphibien und Reptilien erheblich zugenommen. Hinzu kommt, dass die seit einigen Jahren stattfindenden Schutzaktionen für wandernde Amphibien an und auf Straßen eine ungeahnte Popularität erreicht haben. Das gewachsene Interesse äußert sich nicht zuletzt in einer immer größer werdenden Anzahl von Veröffentlichungen. 1995 zählte ich 1180 Veröffentlichungen mit Inhalten zur Amphibien- und Reptilienfauna des Landes, davon stammten 1019 allein aus einem Zeitraum seit 1980 (Schlüpmann et al. 1995).

Nach 1977 wurde die erste westfälische Kartierung auf Basis umfangreicher Vorarbeiten der kleinen Arbeitsgruppe um Dr. Reiner Feldmann, wenig später die rheinische Kartierung, die immerhin auf Voruntersuchungen von Dieter Glandt zurückgreifen konnte, begonnen. Bereits wenig später konnten beide Projekte zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. 1981 erschien die westfälische (Feldmann 1981), 1983 die rheinische Herpetofauna (Geiger & Niekisch 1983).

In der Zwischenzeit haben sich die Arbeitskreise der beiden Landesteile zusammengetan. Das erste gemeinsame Treffen fand 1987 in Hagen statt. Seitdem wurden alljährlich gemeinsame Treffen veranstaltet. 1992 haben wir uns endgültig unter der Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft biologisch-ökologische Landeserforschung e.V. (ABÖL) zu einem nordrhein-westfälischen Amphibien- und Reptilien-Arbeitskreis zusammengeschlossen. Der neu formierte Arbeitskreis hat 1993 mit einer landesweiten Kartierung und Bestandsaufnahme der Amphibien- und Reptilienfauna begonnen (Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW 1993a, b). Auf dem Jahrestreffen am 1. November 1992 in der Stadthalle Hagen wurde das geplante Arbeitskreisprojekt offiziell bekannt gegeben.

Bearbeitungsstand

Entwicklung des Datenbestandes

Das Projekt ist 2011 abgeschlossen worden. Die ersten beiden oben genannten Ziele sind in der Zwischenzeit erreicht und die Ergebnisse sind bereits publiziert und können nachgelesen werden (vgl. Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW 1994, Geiger et al. 1994, Geiger 1997, Schlüpmann & Geiger 1998, 1999). Das dritte, anspruchvolle Ziel bedarf noch einiger Bemühungen. Umfangreiche Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. Derzeit (November 2001) werden erste weiterreichende EDV- Auswertungen der mehr als 60.000 Datensätze vorbereitet.

Zukunft

Zwar hat das aktuelle Kartierungsprojekt einen vorläufigen Abschluss gefunden, doch werden auch weiterhin Kartierungen und Bestandsaufnahmen, ohne die Entwicklungen kaum erkennbar sind und ein effektiver Schutz nicht möglich ist, durchgeführt. Allerdings wird in Zukunft, neben der flächendeckenden Kartierung, verstärkt ein gezieltes Monitoring der Arten und ihrer Lebensräume angestrebt. Erste Vorüberlegungen und Konzepte wurden bereits erarbeitet.

Erwähnte Literatur

Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW (1993a): Anleitung zur Erfassung der Amphibien und Reptilien in Nordrhein-Westfalen. - Recklinghausen (Selbstverlag), 20 S.

Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW (1993b): Herpetofauna NRW 2000. - LÖLF-Mitteil., Recklinghausen 18 (4): 48-53.
Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW (1994): Arbeitsatlas zur Verbreitung der Amphibien und Reptilien in Nordrhein-Westfalen. - Recklinghausen (Selbstverlag), 52 S.

Geiger, A. (1997): Herpetofauna NRW 2000. - Ein Zwischenbericht zum Kooperationsprojekt zwischen LÖBF, ABÖL und den Mitgliedern des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien NRW. - LÖBF-Jahresber. 1996, Recklinghausen 1997: 116-120.

Geiger, A. & M. Niekisch, Hrsg. (1983): Die Lurche und Kriechtiere im Nördlichen Rheinland - Vorläufiger Verbreitungsatlas.- Neuss, 168 S.
Geiger, A., M. Schlüpmann & A. Kronshage (1994): Verbreitung und Situation der Kreuzkröte in Nordrhein-Westfalen. - Ber. d. Landesamtes Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Halle 14: 28-29.

Schlüpmann, M. (1996): Die Gelbbauchunke (Bombina v. variegata) in Nordrhein-Westfalen. - Naturschutzreport, Jena 11: 113-130.

Schlüpmann, M. & A. Geiger (1999): Rote Liste der gefährdeten Kriechtiere (Reptilia) und Lurche (Amphibia) in Nordrhein-Westfalen. In Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung u. Forsten/Landesamt f. Agrarordnung Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in Nordrhein-Westfalen. – LÖBF-Schriftenreihe, Recklinghausen 17: 375-404

Letzte Änderung am Sonntag, 26. März 2017 um 18:35:31 Uhr.

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