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Folienzäune

39/8 Folienzäune - Bewertung

in der wochenlangen Praxis
Folienzäune für den saisonalen Amphibienschutz und die Bewertung der Schutzzäune durch Amphibienbetreuer in der wochenlangen Praxis

von Brigitte Bender, Bielefeld
AG Amphibien & Reptilien des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend e. V.

Diese Folienzäune werden häufig an Kreisstraßen aufgebaut (hier Beispiele im Kreis Lippe). Die winddichten Folienzäune stehen senkrecht und sind an Kreisstraßen dem Wind und Sturm ausgesetzt, LKWs fahren mit gut 70 km/h dicht an ihnen vorbei.

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Die Folienschutzzäune bewegen sich also stets, werden besonders bei jedem Lkw der vorbeifährt durch den Unterdruck angezogen und reißen irgendwann.

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Die Gummis, die den Zaun oben halten, fehlen oder reißen ab, dadurch hängt der Zaun, die Schutzfunktion läuft gegen Null. Amphibienbetreuer berichten, dass sie täglich den Zaun wieder hochziehen müssen.

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Durch den senkrechten Aufbau können Amphibien den Zaun von der gegenüberliegenden Straßenseite aus (Einfahrten, Rückwanderer) nicht überwinden.

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Folienzäune sind aufgrund des Materials nicht flexibel genug aufzubauen, durch die Faltenbildung in den Kurven usw. kann der Zaun von Amphibien zur Straße hin überklettert werden. Man achte auch auf den schrägen eingebauten Fangeimer. Fachkundigigkeit fehlt! Hier können alle Amphibien den „Fangeimer“ wieder verlassen.

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Die Fangeimer sollen dicht am Schutzzaun eingebaut sein, das ist offenbar bei diesem Folienzaun-Aufbau nicht so einfach. Es sei denn man schneidet die Folie kreuzweise dort ein, wo der Fangeimer platziert werden soll. Von der Straßenseite wurde hier versucht mit einem Haufen Erde den Zaun näher an den Fangeimer zu bekommen.

Die Fangeimer werden meist von der Straßenseite aus betreut. (Gründe: wandernde oder nur leicht eingegrabene Amphibien im Zaunbereich! Nasse, steile Gräben usw.)

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Durch den Morgentau oder Regen sind die Folienzäune so feucht, dass die Amphibienbetreuer während der Kontrolle von Zaun und Fangeimer stets feuchte bis nasse Jackenärmel bekommen. Weiterhin sind die Fangeimer bei der täglichen Kontrolle (von der Straße aus) kaum zu sehen, Markierungen hierfür sind am Zaun schlecht bzw. gar nicht anzubringen, bzw. rutschen weg.

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Zu all den Fehlern, des nicht fachgerechten Aufbaus kommt dann noch die auf der Lauffläche aufgetragene dicke Sandschicht des Zaunes. Im Sand zu laufen bedeutet nicht nur für Amphibien einen erhöhten Kraftaufwand und verlängert die Zeit, die Amphibien gefährdet (Prädatoren) am Zaun entlang laufen. Bei Nässe wandern z.B. Erdkröten wie mit Sand paniert am Zaun entlang.

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Der Sand fließt im Laufe der Wochen stetig weg, tiefe Lücken entstehen so, vor allem neben den Eimern am Zaun, in die Amphibien hineinkriechen bzw. fallen und so durch den Zaun schlüpfen können. Amphibienbetreuer bemängeln dass ihre Stiefel stets sandig sind, so auch Handschuhe und Hände, und im Auto befindet sich nicht nur am Schaltknüppel Sand.

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Aber auch auf dem Zaunsaum fließt der Sand weg und Amphibien können unter dem Zaun leicht in den Straßenraum durchschlüpfen. Der Foliensaum wird über Gras, Stöckchen und andere Unebenheiten gelegt, da findet fast jeder Molch einen Weg hinaus auf die Straße.

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Der Ansatz von Zaun zu Zaun scheint ebenfalls ein großes Problem zu sein, denn hier ist immer ein großer Faltenwirrwarr zu beobachten nebst großen Schlupflöchern für Amphibien.

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Auch soll dieser Folienzaun nur in 100 Meter Stufen verlängert oder verkürzt aufgebaut werden können, erzählte Personal des Bauhofs Kreis Lippe. (Man möchte ihn viell. nicht zerschneiden?)

Möglich ist es ja vielleicht, dass diese Folienzäune von Amphibienfachkundigen, die außerdem auch praktisch talentiert sind, gut aufgebaut werden können. In der Regel werden sie aber immer von Personen aufgebaut, die nicht amphibienfachkundig sind und meist auch nicht praktisch talentiert sind.
Eine Anleitung wird ihnen nach Mitteilung auch nicht an die Hand gegeben.

Das sind elf Punkte, die die Mängel dieses Amphibienschutzzaunes beschreiben. Das sollten genug Gründe sein, sich um einen besseren Schutzzaun sowie Aufbau, Anleitung und Material zu kümmern.

1. für den Aufbau wird ein extrem hoher Zeitaufwand (mehrere Tage) benötigt. (Anlieger haben dies beobachtet sowie geäußert)
2. Sand muss nicht nur gekauft, sondern auch jährlich herbei geschafft und aufgetragen werden.
3. Verschleiß und Reißen der Gummis sowie Ausreißen der Folie durch Wind und nicht fachgerechtem Aufbau, also Neuanschaffung von Schutzzäunen etc.
4. Jährlich erfolgen nach dem Aufbau mehrmalige Korrekturarbeiten an den Schutzzäunen mit An/Abfahrten.
5. Im Verlauf der Saison wären weitere Korrekturen erforderlich, verbleiben dann aber, da die frustrierten Amphibienbetreuer keine Reklamation mehr durchgeben.

Anschrift: Brigitte Bender, Arbeitsgruppe Amphibien und Reptilien der Naturwissenschaftlicher Verein für Bielefeld und Umgegend e. V., Tel. 0521 / 33 53 29; E-Mail: bbamphibien@aol.com

Letzte Änderung am Sonntag, 25. Juni 2017 um 12:40:42 Uhr.

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