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Kammmolch-Projekt Krefeld

38/7 Stadt, Land, Molch – das Kammmolch-Projekt

Krefeld aus drei Perspektiven

Teil 1

Die Anfänge und heutige Maßnahmen

von Andrea Funke (Krefeld)
Stadt Krefeld, Fachbereich Grünflächen, Untere Landschaftsbehörde, 47792 Krefeld, Email: andrea.funke@krefeld.de

Die Anfänge des Kammmolch-Monitoring der Stadt Krefeld sind im Greiffenhorstpark im Stadtteil Linn angesiedelt. Diese historische Parkanlage liegt im nördlichen Teil des Untersuchungsgebietes, das sich über eine Fläche von ca. 300 ha über das Naturschutzgebiet Latumer Bruch, die Stadtgräben, den Greiffenhorstpark und das Wasserwerk „In der Elt“ erstreckt (s. Karte). Es handelt sich hierbei um ein Niederungsgebiet bestehend aus einer Altrheinschlinge mit einem verzweigten System an Rinnen und Donken.

Abb. 1

Kartenausschnitt Latumer Bruch. © Stadt Krefeld. Der Oberbürgermeister. Vermessungs- und Katasterwesen 2006.

Der Kammmolch ist eine nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie europaweit streng geschützte Amphibienart. Aufgrund des Vorkommens dieser bedeutenden Kammmolchpopulation, verpflichtete sich die Stadt Krefeld ein langjähriges Monitoring des Kammmolches während und nach den Umbaumaßnahmen durchzuführen. Zusätzlich wurden von der Bezirksregierung Düsseldorf in Abstimmung mit der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW (LÖBF) bestimmte Auflagen bei der Sanierung der Parkanlage vorgeschrieben, z. B. die Durchführung der Gewässersanierung in Teilabschnitten und nicht en bloque, die Herausnahme des östlichen Bereichs des Grabensystems aus der Sanierung sowie der Stopp der geplanten Verlegung eines Weges in Ufernähe.

Neben dem massiven Eingriff in den Land- und Wasserlebensraum im Jahr 2001 sind der Kammmolch sowie die anderen Amphibienarten gleichzeitig noch anderen Bedrohungen ausgesetzt, hier z. B. durch den Einsatz bzw. die Einschleppung von Prädatoren (Flussbarsch etc.), durch intensive Pflegemaßnahmen auf dem Golfplatz, durch die Austrocknung der Gewässer im Greiffenhorstpark und Latumer Bruch bedingt durch Grundwasserabsenkung bzw. durch die geplante Rheinsohlenvertiefung sowie die geplante Trasse durch das Latumer Bruch zur Anbindung an den Krefelder Hafen.

Begleitend werden daher stetig Maßnahmen zur Wiederherstellung und Verbesserung des Lebensraumes durchgeführt, z. B. Wiedereinpflanzungen von Unterwasservegetation und Uferpflanzen, Äste als Laichhilfe für die Erdkröte, regelmäßige Abfischaktionen, Einsatz von Gabionen, Umwandlung einer angrenzenden Ackerfläche in Grünland, Schutz der Laichwanderung im Straßenabschnitt Kurkölner Straße, die Anlage von Totholzhaufen und Feldgehölzen, Vergitterung von Licht- und Kanalschächten und die Durchführung extensiver Pflegemaßnahmen. Auch hat das Land Nordrhein-Westfalen nachträglich das Latumer Bruch mit Buersbach, Stadtgräben und Wasserwerk als FFH-Gebiet an die Kommission der Europäischen Union gemeldet (siehe Beitrag von A. Geiger).

Das Monitoring des Kammmolches begann im Frühjahr 2001 mit der ersten Untersuchung während der Umsiedlung der Amphibien aus dem Grabensystems des Greiffenhorstparks. In den Jahren 2002 bis 2003 wurde dort der Bestand an Amphibien weiter kartiert, ausgewertet und entsprechende Pflege- und Schutzmaßnahmen ergriffen.

Die dem Monitoring aus den Jahren 2001 bis 2003 zugrunde liegenden Fangzahlen können der Tabelle „Fangzahlen 2001-2003“ entnommen werden. Da hierbei unterschiedliche Methoden eingesetzt wurden, sind die Werte nicht direkt miteinander vergleichbar. Es zeigt sich aber auf Grundlage der Prozentzahlen eine starke Verschiebung in der Artenzusammensetzung zugunsten der Erdkröte von 30 % (2001) auf 78 % (2002) und zuungunsten des Kammmolches von 31 % (2001) auf 10 % (2002) und des Teichmolches von 26 % (2001) auf 6 % (2002) bezogen auf Fangzaun (2001) und Fangzaunsegmente (2002). Der Vergleich der absoluten Zahlen 2001 bis 2003 beschreibt einen deutlichen Einbruch innerhalb der Amphibienpopulation.

Tab. 1: Gefangene Amphibien und Fische 2001-2003.

Im Anschluss daran wurde ein Forschungs- und Entwicklungsvertrag zwischen der Stadt Krefeld, Fachbereich Grünflächen und dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn (Finanzierung: 80 % RP Düsseldorf, 20 % Stadt Krefeld) zum Monitoring des Kammmolches für die Jahre 2004 bis 2006 abgeschlossen. Die Ergebnisse des Monitorings von 2004 bis 2006 werden im dritten Teil der Vortragszusammenfassung von Herrn Daniel Ortmann dargestellt. Nach Beendigung des Vertrages ist es geplant, weiterhin Pflege- und Schutzmaßnahmen zum Aufbau und Stabilisierung der Kammmolchpopulation durchzuführen sowie das Monitoring im Zusammenhang mit der geplanten Ausweisung als FFH-Gebiet fortzusetzen.

Teil 2

Das FFH-Gebiet aus Landessicht

von Arno Geiger (Recklinghausen)
Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung u. Forsten NRW, Dez. Artenschutz/Vogelschutzwarte, Postfach 101052, 45610 Recklinghausen; Email: arno.geiger@loebf.nrw.de

Im Rahmen der EU-Kommissions-Forderung (Atlantisches Seminar in Den Haag, 05.06. und 07.06.2002) wurde für die atlantische biogeographische Region von NRW Nachmeldebedarf für die FFH-Anhang II-Art Kammolch gefordert. Mit dem Ergebnis, dass das MUNLV am 07.10.2002 die LÖBF mit der Erstellung einer abschießende Meldeliste beauftragte. Das NRW-Kabinett hat auf seiner Sitzung 06.11.2002 u. a. ein FFH-Lebensraum (FFH-Anhang I) und drei Gebiete für FFH-Arten nach Anhang II der FFH-RL an die EU gemeldet, darunter das NSG Latumer Bruch einschließlich Erweiterungen mit Großem Moorbläuling (Maculinea nausithous) und Kammmolch (Triturus cristatus) in der Stadt Krefeld. Abgrenzung und Beschreibung des FFH-Gebietes (DE 4605-301 Latumer Bruch mit Buersbach, Stadtgräben und Wasserwerk; Größe) können den Internetseiten zu Natura 2000 des Landes Nordrhein-Westfalen (www.natura2000.munlv.nrw.de) entnommen werden.

Das Gebiet repräsentiert einen typischen Ausschnitt der Rheinauenlandschaft mit auentypischen Lebensräumen innerhalb des Naturraums Mittlere Niederrheinebene. Es sind dies vor allem die Röhrichtbestände verlandeter nährstoffreicher Stillgewässer, Seggenriede, Feuchtgrünland-Flächen, feuchte Hochstaudenfluren, Auwaldreste und großflächige Bestände des nährstoffreichen Erlenbruchwaldes. Insbesondere der Nordteil des Gebietes beherbergt die größte bekannte Population des Kammmolchs in Deutschland. Für ihn sind die natürlichen eutrophen Gewässer im Latumer Bruch, aber gerade auch die älteren Abgrabungs- und Wassergewinnungs-Gewässer des Wasserwerks sowie die linearen Gewässersysteme des Linner Mühlenbachs und der Gräben um Burg Linn wichtige Lebensräume, die somit ebenfalls zu den wertgebenden Strukturen des Gebietes gehören. Der gesamte Gebietskomplex stellt zudem einen Teil-Lebensraum für die möglicherweise letzte bekannte Mega-Population des Großen Moorbläulings in diesem Naturraum dar. Die Buersbach und das Latumer Bruch mit seinem besonders gut erhaltenen, verzweigtem System aus Rinnen und Donken sind aufgrund ihrer stromtaltypischen Lebensraumausstattung hervorragende Beispiele für die Rheinauenlandschaft und ihre traditionellen Nutzungsformen.

Als Schutzziele und Maßnahmen wurden u. a. formuliert:
- Erhaltung und Entwicklung ihrer aquatischen und terrestrischen Lebensräume insbesondere der sonnenexponierten, tiefen, vegetationsreichen, permanent oder spät austrocknenden Laichgewässer, der umgebenden Grünlandflächen mit eingestreuten Hecken und Gehölzen als Sommerlebensraum sowie angrenzenden Waldflächen mit Stubben als Winterquartier.
- Vermeidung von Strukturveränderungen im Gesamthabitat (keine Rodung von Gehölzen und Stubben) sowie Erhaltung und Förderung einer extensiven Grünlandnutzun.
- Erhalt und Entwicklung von Wanderstrukturen mit Verbindung zu den Laichgewässern wie Waldsäume und andere bandförmige Biotoptypen (Raine, Gräben, Hecken).
- Zur Sicherung der Population sind die Gewässer zu erhalten und entsprechend der Bedürfnisse dieser Molchart zu entwickeln. Für ein ausreichendes Angebot an Landlebensräumen ist Sorge zu tragen.

Im Rahmen der Effizienzkontrolle von 2004-2006 sollte dokumentiert werden, inwieweit der Eingriff durch die Baumaßnahmen mittels geeigneter Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen kompensiert werden konnte und, ob weitere Optimierungen durchgeführt werden müssen.

Anhand einer einfachen FFH-Bewertungsmatrix kann derzeit die folgende Inwertsetzung dokumentiert werden (A = Hervorragend, B = Gut, C= Mittel bis schlecht):
- Habitatqualität: Komplex aus vielen Klein- und Kleinstgewässer und große Einzelgewässer, aber submerse/emerse Vegetation kaum vorhanden oder fehlend und problematisches Wasserregime = B
- Zustand der Population: > 500 adulte Tiere = A
- Beeinträchtigungen: Fischbestand, Freizeitnutzung, Isolation (z. B. monotone landwirtschaftliche Flächen oder Bebauung) = CGesamtwert (Erhaltungszustand) = B

Um die angestrebten Ziele zu erreichen, braucht man aber sehr viel mehr Zeit, als es die zunächst gedachten drei Jahre ermöglichen konnten. Die Weiterführung der Wirkungskontrollen soll daher angestrebt werden.

Teil 3

Das Kammmolchprojekt Krefeld aus Sicht der Molche

von Daniel Ortmann (Leverkusen)
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Adenauer Allee 160, 53113 Bonn, Am Kreispark 1, 51379 Leverkusen; Email:: ortmannda@hotmail.com

Insgesamt wurden von 2004-2006 an 26 Untersuchungsgewässern über 125.000 Nachweise von Amphibien getätigt (Abb. 1). In Abbildung 2 sind die geschätzten Populationsgrößen des Kammmolches vor (2001) und nach den Umbaumaßnahmen (2004-2006) dargestellt.

Abb. 1

Amphibiennachweise im gesamten Untersuchungsgebiet. (B= Bufo, R= Rana, M= Mesotriton, L= Lissotriton, T= Triturus)

Abb. 2

Geschätzte Populationsgrößen des Kammmolches vor (2001) und nach den Umbaumaßnahmen (2004-2006)

Die Populationen im NSG Latumer Bruch
Der Erhaltungszustand in diesem Teil des Untersuchungsgebietes ist als gut bis sehr gut zu bezeichnen. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass aufgrund der Grundwasserabsenkungen in den letzten Jahren, fünf ehemals potentielle Kammmolchgewässer zurzeit nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt für den Kammmolch nutzbar sind. Dieser Wegfall ehemaliger Laichgewässer erhöht den Isolationsgrad der bestehenden Gewässer und steigert das Aussterberisiko auch an den hiervon nicht betroffenen Gewässern (z. B. Mann et al. 1991).

In diesem Zusammenhang hat sich die Neuanlage von Gewässern seit 1986 als (geplanter) Glücksfall für die Kammmolche erwiesen. Alle heute noch bestehenden Populationen in diesem NSG befinden sich in neu angelegten Gewässern bzw. in künstlichen Vertiefungen der Altarme. Ohne diese Maßnahmen wäre der Kammmolch im Latumer Bruch vermutlich akut vom Aussterben bedroht. Die Anlage von Kleingewässern hat die Aussterbewahrscheinlichkeit der Kammmolchpopulation im Latumer Bruch in den nächsten 50 Jahren somit stark vermindert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass nur Gewässer, die eine hohe Eignung für den Kammmolch aufweisen (vgl. Oldham et al. 2000, Ortmann 2004), auch einen Beitrag zur Verbesserung des Erhaltungszustandes leisten können. Dies ist im vorliegenden Fall sehr gut gelungen.

Trotz dieser positiven Eindrücke ist anzumerken, dass sich nur in einem Gewässer eine große Population (>1000 Individuen) des Kammmolches aufhält. Alle anderen Gewässer weisen nur kleine bis mittlere Populationen auf, die durch bestimmte Faktoren beeinträchtigt werden.

Eine Neuanlage von Gewässern und zusätzliche Vertiefungen im Bereich des Stratumer Buschgrabens wären Maßnahmen, die unmittelbar Erfolg versprechen und die einen wichtigen Beitrag leisten den Erhaltungszustand des Kammmolches in diesem NSG und im gesamten FFH-Gebiet dauerhaft zu verbessern. Mittel- und langfristig führt die Neuanlage von Gewässern im Abstand einiger Jahre mit begleitenden Pflegemaßnahmen dazu, dass ein Verbund an Gewässern mit unterschiedlichen Sukzessionsstadien erhalten bleibt. Eine Mindestanzahl von sechs für den Kammmolch als Reproduktionsgewässer nutzbaren Gewässern ist eine Grundvoraussetzung, einen guten Erhaltungszustand der Kammmolchpopulationen in diesem Naturschutzgebiet langfristig zu gewährleisten.

Die Population auf dem Gelände der SWK Aqua GmbH
Auf diesem Gelände befanden sich bis Herbst 2001 vier Anreicherungsbecken mit zum Teil sehr großen Kammmolchpopulationen (s. Beitrag von A. Funke). Nach der Verfüllung zwei dieser Gewässer befinden sich aktuell eine sehr große und eine kleine Population an Kammmolchen auf diesem Gelände. Im Bereich der verfüllten Anreicherungsbecken befanden sich 2005 wahrscheinlich noch einige hundert adulte Kammmolche, die nicht zu den nahe gelegen Gewässern abgewandert sind. Diese Restpopulation wird in jedem Jahr kleiner werden und in absehbarer Zeit aussterben, sofern nicht in diesem Bereich neue Gewässer angelegt werden.

Die Population auf dem Linner Golfplatz
Auf dem Linner Golfplatz befindet sich zurzeit eine Population mittlerer Größe, die zudem in den drei Untersuchungsjahren kontinuierlich kleiner geworden ist. In Anbetracht der Tatsache, dass hier der überwiegende Teil der 2001 umgesiedelten Tiere eingesetzt wurde, muss man von einer akuten Bedrohung der Population sprechen. Eines der beiden Gewässer war während des Untersuchungszeitraumes, aufgrund des Besatzes mit nordamerikanischen Sonnenbarschen überhaupt nicht für Kammmolche geeignet. Verschiedene Maßnahmen, die den Beschattungsgrad und den Fischbesatz verringert haben, lassen hier für die nähere Zukunft Besserung erwarten. Es ist jedoch unerlässlich, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden und Erfolgskontrollen stattfinden. An dem anderen Gewässer hat sich zwar eine kleine bis mittlere Population angesiedelt, jedoch weist auch dieses Gewässer einige schwerwiegende Mängel auf. Diese liegen hauptsächlich im Landlebensraum begründet, der durch die massiven Pflegemaßnahmen durch den Golfplatzbetrieb beeinträchtigt wird.

Die Population im Greiffenhorstpark
Im Greiffenhorstpark befand sich im Jahre 2001 eine der größten bekannten Kammmolchpopulationen im gesamten Verbreitungsgebiet. Bedingt durch die Umbaumaßnahem im Rahmen der EURAGA 2002 Plus und die damit verbundenen Umsiedlungsmaßnahmen und vor allem die Veränderungen in der Habitatqualität haben sich katastrophal auf die Kammmolchpopulation in diesem Gebiet ausgewirkt. Zunächst wurden die Tiere in Gewässer umgesiedelt, die nicht oder nur begrenzt für Kammmolche geeignet waren. Auf keinen Fall waren sie ausreichend, um auch nur annähernd eine Zahl von mehreren tausend Kammmolchen zu beherbergen. Es ist fraglich, wie viele Individuen die Rückwanderung erfolgreich überstanden haben, von einer beträchtlichen Dezimierung muss jedoch ausgegangen werden. Anschließend fanden sie ein Gewässer vor, dessen wichtigste ökologische Parameter sich zu ungunsten des Kammmolches verändert hatten. Es ist sicher, dass bis 2004 keine Reproduktion des Kammmolches stattgefunden hat, wodurch die Restpopulation weiter dezimiert wurde. Glücklicherweise wurde der östliche Teil des Gewässers nicht umgebaut, sondern nur an zwei Bereichen als Naturschutzmaßnahme aufgrund niedriger Wasserstände vertieft. So konnte sich hier zumindest eine kleine Kammmolchpopulation halten, die seit den Abfischaktionen wieder im Wachstum begriffen ist.

Im vollständig umgebauten westlichen Teil fanden sich im Jahr 2004 überhaupt keine Kammmolche mehr. Durch verschiedene Maßnahmen hat sich die Situation zwar leicht gebessert, dennoch ist dieses Gewässer auch momentan nicht geeignet, um auch nur annähernd so viele Kammmolche wie vor den Umbaumaßnahmen zu beherbergen. Aus diesen Gründen muss man von einer akuten Bedrohung zumindest der Teilpopulation im westlichen Bereich sprechen. Auch die Population im östlichen Bereich ist weiterhin durch den Fischbesatz stark gefährdet. Nur weitere Befischungen mindestens alle zwei Jahre können ein Aussterben dieser Population verhindern.

Zusammenfassung
Nach Abschluss des Projektes ist zu konstatieren, dass der Erhaltungszustand des Kammmolches im Untersuchungsgebiet als kritisch zu bewerten ist. Zwar ist die Gesamtpopulation insgesamt als sehr groß zu bezeichnen, dennoch sind einige Faktoren zu Tage getreten, die das Überleben des Kammmolches im Gebiet erschweren.

Gleich an zwei Stellen im Untersuchungsgebiet, sind die Populationen extrem eingebrochen. Im Greiffenhorstpark haben sich die Umbaumaßnahmen katastrophal für die Kammmolche ausgewirkt, so dass die Population um mehrere tausend Tiere zurückgegangen ist. Auf dem Gelände der SWK Aqua GmbH hatte die Verfüllung zweier Anreicherungsbecken ähnlich drastische Auswirkungen, welche die Restpopulation nachhaltig geschädigt haben.

Zudem haben Verluste von Gewässern und Fischbesatz zu einer stärkeren Isolation der verbleibenden Populationen geführt. Um eine weitere Verschlechterung der Situation zu verhindern, ist die Anlage weiterer Gewässer, sowie Pflegemaßnahmen an den meisten der übrigen Gewässer erforderlich.

Dass ursprünglich festgeschriebene Ziel, die Erreichung eines guten Erhaltungszustandes und die Stabilisierung der Kammmolchpopulation ist noch lange nicht erreicht. Ein guter Erhaltungszustand im Greiffenhorstpark würde eine Population von mehreren Tausend Tieren, bei gleichzeitiger Gewährleistung dauerhaft günstiger Habitatbedingungen voraussetzen.

Literatur
Mann, W., Dorn, P. & Brandl, R. (1991): Local distribution of amphibians: the importance of habitat fragmentation. – Global Ecology and Biogeography Letters 1: 36-41.
Oldham, R. S., Keeble, J., Swan, M. J. S. & Jeffcote, M. (2000): Evaluating the suitability of habitat for the great crested newt (Triturus cristatus). In: Cummins, C. P. & Griffiths, R. A. (Ed.): Scientific Studies of the Great Crested Newt: Its Ecology an Management. – The Herpetological journal 10(4): 143-155.
Ortmann, D. (2004): Langzeitdynamik einer Kammmolchpopulation (Triturus cristatus) bei Bonn auf Basis individueller Wiedererkennung. – Diplomarbeit, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 141 S.

Letzte Änderung am Donnerstag, 15. Juni 2017 um 23:53:30 Uhr.

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