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Waschbären - eine Gefahr für Amphibien

Rundbrief zur Herpetofauna NRW 38/1 - 2015

38/1 Waschbären – eine Gefahr für Amphibien im Naturschutzgebiet „Grube 7“ in Haan-Gruiten

von Volker Hasenfuß

NSG "Grube 7"

NSG Grube 7

Im Kreis Mettmann gibt es zahlreiche aktive und stillgelegte Kalksteinbrüche. Das ca. 60 ha große NSG „Grube 7“ in Haan-Gruiten gliedert sich in zwei Teilflächen. Im Süden befindet sich der ehemalige Kalksteinbruch mit unterschiedlichen Entwicklungsstadien eines aufgelassenen Steinbruchs. In diesem Bereich konnten in den letzten Jahren mehr als 340 Pflanzen-, mehrere Vogel- und Amphibienarten nachgewiesen werden (Landschaftsplan 2000 Kreis Mettmann). Der nördlich gelegene ehemalige Klärschlammteich mit seinem Orchideenvorkommen spielt in dieser Betrachtung keine wesentliche Rolle.

Grasfrosch- und Krötensterben im NSG

Großer Teich

Nach dem Trockenfallen der Wasserflächen im stillgelegten Steinbruch „Grube 7“ durch tiefere Abgrabung im Nachbarsteinbruch haben die Aktiven der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) Haan, u. a. mit Hilfe der Kalkwerke, des NABU Kreis Mettmann und mit der ULB des Kreises Mettmann (Projekt Euroga) ab 1999 zehn Amphibienteiche angelegt. Neun Teiche haben eine Größe von ca. 120 qm, der zuletzt angelegte Teich ist 1400 qm groß.

Erdkröte

Diese Gewässer wurden von den Geburtshelfer- und Kreuzkröten sowie den anderen Amphibienarten sehr gut angenommen. In den Folgejahren haben sich diese Amphibienpopulationen zu den besten im Kreis Mettmann entwickelt. Die Chöre der Kreuzkröten waren zur Laichzeit weit zu hören, und im Sommer waren an manchen Abenden die Flächen um die Teiche wegen der Masse der jungen Kreuzkröten nicht begehbar.

Junger Waschbär

Vom Jahre 2008 an gab es dann einen kontinuierlichen Bestandsrückgang. In den Laichzeiten der Jahre 2011 bis 2014 wurden viele an- und ausgefressene Amphibien zwischen den Laichballen der Grasfrösche und den Laichschnüren der Kröten sowie an Land gefunden. Viele Amphibienexperten konnten das „Fraßbild“ auf den Fotos nicht erklären und nannten ganz unterschiedliche Prädatoren (Wanderratte, Marder, Dachs usw.).
Nachdem schon 2008 Fotos von vier jungen Waschbären in der Nähe des NSG Fotoaufnahmen gemacht wurden und auch Spuren am Teich auf den Waschbär hindeuteten, fiel der Verdach: auf die Waschbären. Es fehlte nur der eindeutige Beweis.

Untersuchungen 2013 und 2014 mit einer Wildkamera

Wildkamera vor Laichstelle

Eine vom NABU Mettmann zur Verfügung gestellte und im Frühjahr 2013 zur Laichzeit der Grasfrösche und Erdkröten im eingezäunten Bereich der Grube 7 aufgestellte Wildkamera brachte den Beweis. In dieser Nacht überlebte vermutlich kein Lurch an dieser Stelle. Morgens waren nur tote Tiere zu finden, die auch dem Graureiher noch als Nahrung dienten.

Nachtaufnahme

Ein Bericht und eine CD mit den Bildern der Wildkamera in der Zeit vom 11. bis 17. April 2013 wurde an die zuständigen Stellen verschickt. Außer den Waschbären war auf einigen Nachtaufnahmen ein Graureiher im Hintergrund zu sehen. Stockenten, ein Graureiher und eine Amsel besuchten am Tag kurze Zeit den Amphibienteich.

Zaun um Laichstelle

2014 wurde der Versuch unternommen, eine kleine Laichstelle mit einem Maschendrahtzaun zu schützen. Wie die 116 Waschbär-Aufnahmen der Wildkamera am 21./22.3.2014 zeigten, blieben die meisten Waschbären außerhalb des Zaunes, nur zwei Waschbären kletterten in dieser Nacht in den umzäunten Bereich – und das auch jeweils nur für kurze Zeit (15 bzw. 5 Minuten).

Waschbär klettert über Zaun

So ein kleiner eingezäunter Bereich schützt natürlich nur den hier vorhandenen Laich und leider nicht die aus der Umgebung anwandernden Amphibien. Da sich das Laich-Verhalten der Kreuzkröten über einen längeren Zeitraum erstreckt und es nicht zum Massenwandern zum Laichtümpel kommt, konnten die Wildkamera-Aufnahmen nur an einer Frosch- und Erdkröten-Laichstelle gemacht werden.

toter Bergmolch

Bei den Totfunden handelte es sich deshalb hauptsächlich um Erdkröten, Grasfrösche und einzelne Molche, es wurden aber auch außerhalb der Teiche auf den Zuwanderungsstrecken ausgefressene Tiere gefunden werden. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Erdkröten von unten geöffnet wurden und hauptsächlich die Froschschenkel ausgefressen wurden. Die Haut mit ihrem unbekömmlichen Sekret blieben meistens unangetastet.

Tote Erdkröte

2014 hat sich also zur Laichzeit der Amphibien in der „Grube 7“ das gleiche Drama abgespielt wie 2013 mit dem traurigen Ergebnis, dass im Sommer 2014 keine Kreuzkröte mehr nachgewiesen werden konnte. Auch Laichschnüre oder Jungtiere waren nicht mehr nachzuweisen.
Im Spätsommer 2014 war der „beste Tümpel für die Geburtshelferkröten“ total durchwühlt (es waren diesmal keine Gummistiefel-Spuren!) – Tage später waren keine Kaulquappen der Geburtshelferkröten mehr zu finden.

Fazit

Tote Erdkröte

Wenn es so weitergeht, werden die nach der FFH-Richtlinie streng geschützten Amphibienarten in der „Grube 7“ bald ausgestorben sein. Auch die Grasfrosch- und Erdkrötenpopulationen sind hier bereits stark zurückgegangen. Ebenfalls bedroht sind hier die Gelege des hier brütenden Uhus und der Waldschnepfe.
Entlang der Düssel bei Haan-Gruiten wurde das gleiche „Fraßbild“ toter Amphibien an etlichen Gewässern festgestellt. Die Flußläufe und die Höhlen in den Felswänden bieten einen idealen Lebensraum für die Waschbären.

Waschbär im Fels

Aus anderen Gebieten wird berichtet, dass Waschbären die Horste von Rotmilanen geplündert haben und Gelege von Kiebitzen mit Elektrozaun gesichert werden mussten (NABU Thüringen).
Im Kreis Höxter, dem Dichtezentrum der Waschbär-Population in NRW wurden in verschiedenen Naturschutzgebieten signifikante Rückgänge von Grasfröschen, Kreuz- und Erdkröten durch Waschbär-Prädation festgestellt (Beinlich 2012)

Bei der weiteren Ausbreitung der Waschbären ist der Erfolg vieler Maßnahmen zur Verbesserung der Bestandssituation der Amphibien und anderer Tiere in Frage stellen (z. B. das Aufstellen von Krötenschutzzäunen, das Betreiben von An- und Aufzuchtstationen für Amphibien).

Anschrift

Volker Hasenfuß
Am Bandenfeld 22
42781 Haan
Tel. 02129 / 51365
E-Mail: hasenfuss.haan@arcor.de

Letzte Änderung am Samstag, 29. April 2017 um 13:35:18 Uhr.

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