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Rundbrief 39 - 2016

Rundbrief zur Herpetofauna NRW 39 - 2016

39/1 Terminübersicht 2016

Jahrestagung 2014

So, 31.01.2016 Duisburg (NUA-Programm)
Flora und Fauna im Ruhrgebiet
Biologische Station Westliches Ruhrgebiet
NUA-Veranstaltung
mehr Informationen und Anmeldung: BSWR .....

Di. 03. – Mi. 04.05.2016 Duisburg (NUA-Programm)
Nachweis- und Fallenfangmethoden für das Monitoring von Amphibien
Biologische Station Westliches Ruhrgebiet u. AK Amphibien u. Reptilien NRW
mehr Informationen und Anmeldung: BSWR .....

Do. 19. – So. 22.05.2016 Recke
Amphibienkurs – Methoden der Feldherpetologie
LWL-Museum für Naturkunde Außenstelle Heiliges Meer u. AK Amphibien u. Reptilien NRW
mehr Informationen und Anmeldung: LWL .....

Sa., 28.05.2016 Münster
Exkursion in die Rieselfelder Münster
Leitung: Hans-Uwe Schütz, Thomas Mutz & Andreas Kronshage
mehr Informationen und Anmeldung hier .....

Fr. 19. – So. 21.08.2016 Recke
Reptilienkurs – Methoden der Feldherpetologie
LWL-Museum für Naturkunde Außenstelle Heiliges Meer u. AK Amphibien und Reptilien NRW
mehr Informationen und Anmeldung: LWL .....

Fr. 09. – Sa. 10.09.2016 Münster
Die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) LIFE+ Projekt „LIFE 11 NAT/DE/348“
Schutz der Knoblauchkröte in Teilen des Münsterlandes
mit Beiträgen zur Verbreitung, Biologie, Ökologie, Schutzstrategien und Nachzucht
mehr .....

So. 06.11.2016 Recklinghausen (NUA-Programm)
Jahrestreffen des Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW
NUA, LNU u. AK Amphibien u. Reptilien NRW
NUA-Veranstaltung Nr. 137
Teilnahmebeitrag: 8,00 €
mehr Informationen und Anmeldung ...

39/2 Amphibienkurs Duisburg 2016

Leeren der Reusenfallen

Nachweis- und Fallenfangmethoden für das Monitoring von Amphibien
Im Rahmen des Monitorings von Amphibien – insbesondere des Kammmolches – aber auch für CEF-Maßnahmen werden zunehmend Wasserfallen eingesetzt. Nach einer Einführung und Einweisung in Nachweis- und Fangmethoden werden Reusenfallen von den Kursteilnehmern unter Anleitung selber eingesetzt und am zweiten Tag geleert. Daneben vermittelt der Kurs auch Artenkenntnis heimischer Amphibien.
Di./Mi. 03.-04.05.2016

Voraussichtlicher Ablauf
Eine Teilnahme an Einzeltagen oder Blöcken ist nicht erwünscht!
03.05.2016
10:00-17:00 Uhr

Block 1
Einführung in die Amphibienbiologie
Vorstellung der heimischen Arten
Nachweis- und Fangmethoden
Block 2
Keschern
Auslegen der Reusenfallen
21:00-24:00 Uhr

Block 3
Amphibiensuche bei Nacht
04.05.2016
10:00-17:00 Uhr

Block 4
Leeren der Reusenfallen
Block 5
Anforderungen und Möglichkeiten des Monitorings
Artenschutzrecht und CEF-Maßnahmen
Block 6 (ggf.)
Bestimmung schwieriger Arten und Stadien:
- Wasserfrösche,
- Laich,
- Larven

Leitung
Dipl.-Biol. Martin Schlüpmann
Dipl.-Biol. Daniela Specht

Teilnahmegebühr: 90,00 €, ermäßigte Gebühr für Schüler und Studenten: 50,00 €
bis zum 26.04.2016 an die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR) zu überweisen:
Kto. Sparkasse Mülheim an der Ruhr, IBAN DE 67 3625 0000 0353 3347 78
Unterkunft und Verpflegung werden über die Jugendherberge abgerechnet.

Veranstalter
Biologische Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR)
Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen
Landesgemeinschaft Natur und Umwelt NRW (LNU)

39/3 Eindrücke von den Amphibienkursen 2016


Amphibienkurs Duisburg 2016

Amphibienkurs Heiliges Meer 2016

39/4 Exkursion in die Rieselfelder Münster 2016

Samstag, 28.05.2016

mit Abendexkursion, Freitag, 27.05.2016, für Interessierte (optional)

Veranstalter:
Arbeitskreis Herpetofauna NRW &
Biologische Station Rieselfelder Münster

Programm
Änderungen im Programmablauf können sich witterungsbedingt ergeben.
ab 9:00 - 9:15 Uhr
Begrüßung im Seminargebäude des Rieselfeldhofes (Hans-Uwe Schütz / Biologische Station Rieselfelder Münster; Martin Schlüpmann / Arbeitskreis Herpetofauna NRW)
09:15 - 10:45 Uhr
Gemeinsame Leerung von Amphibien-Wasserfallen, Vorstellung der Arten und der Fangmethode im Gelände (Thomas Mutz, Dr. Andreas Kronshage, Martin Schlüpmann)
10:45 - 12:30 Uhr
Amphibien und Reptilien in den Rieselfeldern Münster – Vorstellung des Naturschutzgebietes, Historie, Bedeutung für die Vogelwelt, Bedeutung der Rieselfelder für die Herpetofauna (Vorstellung der Arten und Projekte, z. B. Ringelnatter-Projekt, Wasserfrosch-Projekt) (Hans-Uwe Schütz, Thomas Mutz)
12:30 - 13:30 Uhr
Mittagspause (die Verpflegung findet im Seminargebäude des Rieselfeldhofes statt)
13:30 - bis ca. 16:30 Uhr
Exkursion in die Rieselfelder: u. a. Kontrolle künstlicher Versteckplätze der Ringelnatter, Wasserfrösche (Verhören, Bestimmung). Während der Exkursion besteht auch die Möglichkeit zu ornithologischen Beobachtungen (sofern vorhanden, bitte ein Fernglas mitbringen, Spektive sind vorhanden) (Hans-Uwe Schütz, Thomas Mutz)
ab ca. 16:30 Uhr
Gemütlicher Ausklang der Exkursion auf der Terrasse des nahegelegenen Heidekrugs

Am Freitagabend (27.05.2016) besteht ab 21 Uhr (bis ca. 23:30 Uhr) die Möglichkeit, bei der Wasserfallenauslage dabei zu sein sowie (bei geeigneter Witterung) die Stimmen der Wasserfrösche in den Rieselfeldern zu verhören. Im Gebiet kommen Kleiner Wasserfrosch, Teichfrosch und Seefrosch vor. Treffpunkt ist um 19 Uhr am Rieselfeldhof, Coermühle 100, 48157 Münster. Exkursionsleitung: Thomas Mutz.

Informationen zu den Rieselfeldern Münster und die Anfahrt zum Seminargebäude des Rieselfeldhofes finden Sie unter:
http://www.biostation-muenster.de/anreise.

Rieselfeldhof, Coermühle 100, 48157 Münster; GPS-Koordinaten: N52.01422, E7.63938

Anmeldungen zur Exkursion bitte bis zum 10.5.2016 über das Anmeldeformular.

Ausrüstung: Zu den Exkursionen bitte wettergeeignete Kleidung, Stiefel und Mückenschutz mitbringen. Ein Fernglas ist ebenfalls zu empfehlen.

Kosten: Die Veranstaltung ist kostenfrei und richtet sich an alle interessierten Personen. Ein Unkostenbeitrag für die Mittagsverpflegung wird vor Ort erhoben und liegt voraussichtlich zwischen 5 und 10 Euro.

Unterkunft: Für Teilnehmer, die bereits an der Exkursion am Freitagabend (27.5.) teilnehmen oder von weiter her anreisen und eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in Münster oder in der nahen Umgebung suchen:
Touristik Münster Marketing, Münster Marketing, Klemensstraße 10, 48143 Münster Tel. 0251 / 492-2710; E-Mail: tourismus@stadt-muenster.de; www.tourismus.muenster.de
Jugend-Gästehaus Aasee, Bismarckallee 31, 48151 Münster, Tel. 0251 / 53028-0; E-Mail: jgh-muenster@djh-wl.de; www.djh-wl.de/de/jugendherbergen/muenster
sleep station Münster, Wolbecker Str. 1, 48155 Münster, Tel. 0251 / 4828155; E-Mail: info@sleep-station.de; www.sleep-station.de
Nordstern Hostel
, Hoyastraße 3, 48147 Münster, Tel. 0251 / 3997315; E- Mail: info@nordstern-hostel.de; www.nordstern-hostel.de

Organisation:
Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW
c/o Dr. Andreas Kronshage
Von-Haxthausen-Weg 22, 33104 Paderborn; Tel. 05252 / 2149

Impressionen

Wasserfrösche

Alle drei Wasserfrösche waren vom Steg am Gewässer neben dem Heidekrug hervorragend zu sehen:
- Kleiner Wasserfrosch Pelophylax lessonae
- Seefrosch Pelophylax ridibundus
und der Hybrid
- Teichfrosch Pelohylax esculentus

Männchen des Kleinen Wasserfrosches und Seefrosch

Verschiedene Pelophylax lessonae-Männchen

Rufende Pelophylax lessonae-Männchen

Gesellschaft mit rufenden Männchen und Laichballen

Verschiedene Pelophylax ridibundus-Männchen

Rufende Pelophylax ridibundus-Männchen

Sehr großes Pelophylax ridbundus-Weibchen

Verschiedene Teichfrösche Pelophylax esculentus

39/5 Knoblauchkrötentagung 2016

Knoblauchkröte

LIFE+ Projekt „LIFE 11 NAT/DE/348“

Schutz der Knoblauchkröte in Teilen des Münsterlandes
mit Beiträgen zur Verbreitung, Biologie, Ökologie, Schutzstrategien und Nachzucht


Internationale Fachtagung
am 9. und 10. September 2016 im
Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster

Veranstalter:
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Fachbereich Artenschutz
NABU-Naturschutzstation Münsterland e. V.
Kreis Warendorf
Kreis Borken
Institut für Landschaftsökologie (ILÖK), WWU Münster
Natur- und Umweltakademie (NUA)

Zielsetzung

Die Knoblauchkröte ist in Nordrhein-Westfalen eine extrem seltene Amphibienart und „vom Aussterben bedroht“ und wird in der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“ gelistet. Durch die Europäische FFH Richtlinie sollen ihre Lebensräume erhalten und geschützt werden. Gleichwohl ist ihr Bestandstrend regional und überregional negativ. Damit die Art im Münsterland nicht ausstirbt, wurde ein LIFE+ Projekt ins Leben gerufen. Dieses geht nach gut vierjähriger Laufzeit in 2016 zu Ende. Die darin gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse sollen nun zum Projektende in Vorträgen vorgestellt und bei einer Exkursion praktisch erlebbar vorgezeigt werden.

Programm und Anmeldung
Aktueller Veranstaltungsflyer mit Anmeldeformular [3.840 KB]
www.nua.nrw.de (Veranstaltung 203-16)

Weitere Informationen:
Christian Göcking und Norbert Menke, E-Mail: info@nabu-station.de
Arno Geiger, E-Mail: arno.geiger@lanuv.nrw.de
www.knoblauchkroetenschutz.de

39/6 Feuersalamander in Rohrleitungen

von Andreas Kronshage

Bei vorbereitenden Arbeiten zur Sanierung einer Autobahn wurden im straßenbegleitenden Entwässerungssystem bereits auf den ersten Kilometern und an einem weiteren Untersuchungspunkt zahlreiche Feuersalamander mit Hilfe einer Kanalkamera in den sehr engen Rohrleitungen nachgewiesen in etwa 1,50 m bis 1,80 m Bodentiefe. Die durchführende Firma hat die Arbeiten von sich aus kurzfristig unterbrochen, um evtl. noch eine Methode bzw. eine Maßnahme zu finden, die bei weiteren Kamerabefahrungen möglichst tierschonend arbeitet. Der Inhalt des ausgespülten Wassers, der bei einer Kamerauntersuchung mit zeitgleicher Spülung zur Reinigung der Rohrinnenwände anfällt, wird üblicherweise nicht weiter beachtet, z. B. in einem Spülwagen entsorgt oder einer Klär- oder Absetzeinrichtung zugeleitet, da es durch die Spülung belastetes Abwasser ist.

Im vorliegenden Fall wurde festgestellt, dass einzelne Feuersalamander eines größeren Vorkommens bei der Naßbefahrung mit einer Kamera gefährdet sind, da die Gefahr des Überrollens durch die Kamera (45 kg) bzw. der Verletzung durch den sehr hohen Spüldruck zur Reinigung der Rohrinnenwände besteht. Die Reinigung stark verschmutzter Rohrbereiche ist notwendig, um z. B. Risse in der Rohrwandung zu erkennen. Auf dem Boden der Rohrleitung sitzende Feuersalamander können der Gefahr nur entkommen, wenn sie bei Wahrnehmung der Kamerabeleuchtung es noch rechtzeitig schaffen, die gerundeten Wände der Rohrleitung ein kleines Stück vom Rohrboden an der inneren, unteren Rohrwandrundung hoch zu klettern und gleichzeitig keine Naßbefahrung durchgeführt wird, die die Tiere mit hohem Druck von der Rohrwand spült und dabei verletzt. Diese Fluchtbewegung der Feuersalamander erfolgt, wenn überhaupt, nur sehr langsam. Manche Tiere verharren auch am Boden der Rohrleitung. Aufgrund des sehr engen Rohrdurchmessers besteht bei der Befahrung keine Ausweichmöglichkeit für die Kamera.
Die Rohrleitungen sind wegen des geringen Durchmessers auch nicht begehbar, lediglich in den sehr weit auseinander liegenden Einstiegsschächten besteht punktuell ein eng begrenzter Zugang. In diesen tageslichtdurchfluteten Einstiegsbereichen wurden einzelne Feuersalamander gefunden. Die weitaus meisten Tiere, überwiegend adulte Feuersalamander, wenige jüngere Tiere, halten sich tiefer im Inneren der Rohrleitungen auf. Ein der Kamerabefahrung vorgelagertes Absammeln ist in den engen Rohren daher nicht möglich.

Eine vorherige Ausspülung (wie lange und mit welchem Druck?) des gesamten, beidseitig an den äußeren Straßenrändern und im mittleren Bereich der Autobahn über viele Kilometer verlaufenden Rohrsystems ist aufgrund der Querverbindungen und der vorhandenen Versteckmöglichkeiten für die Feuersalamander in Fugen des Kanalsystems nicht optimal bzw. auch nur schlecht durchführbar und zudem mit einem hohen Aufwand verbunden. Die Orte der vorhandenen Ausgänge / Drainagen / Sammelstellen aus dem stellenweise entsprechend des Straßenverlaufes auch an- und absteigenden Rohrsystems könnten lokalisiert werden. Würden hier die dann über einige hundert Meter ausgespülten Feuersalamander ankommen, könnte man sie absammeln (verletzt? noch lebend?). Diese (wenigen) Tiere müssten zwischengehältert und in ein geeignetes Habitat gebracht werden. Das kann nur nach zeitlich intensiver und ausreichender Vorprüfung (bereits vorhandene Siedlungsdichte im Habitat, Versteckqualitäten, Chytridpilzuntersuchung, Genehmigung zum Aussetzen usw.) erfolgen.

Die Untersuchungsarbeiten in den Rohrleitungssystemen der Straßenentwässerung stehen unter einem hohem Zeitdruck und sollen bald mit der möglichst tierschonensten Methode fortgesetzt werden. Meine Recherchen haben bisher keinen vergleichbaren Fall ergeben. Gibt es irgendwo Beobachtungen und Erfahrungen mit vergleichbaren Fällen (unterirdische Kamerabeobachtungen von Feuersalamandern in meist nicht begehbaren Kanalsystemen; Vergrämung?). Will man jeden Feuersalamander retten, wäre eine fahrbare Kamera mit ferngesteuertem kleinem Greifarm, Sammelbehälter und Beleuchtung ideal, die gibt es aber leider (noch) nicht ...

Feldherpetologen ist lange bekannt, dass (nicht nur für Amphibien) überall Todesfallen in Form von Entwässerungsanlagen (Gullischächte, Straßenentwässerung), Licht- und Kellerschächten im Siedlungsbereich usw. vorhanden sind. Mit der relativ hohen Anzahl an Feuersalamandern im beschriebenen Straßenentwässerungssystem war nicht zu rechnen. Das Vorkommen wird daher in den nächsten Wochen von mir weiter beobachtet, mit sicher vielen aufschlußreichen Bildern der Kanalkamera, sofern keine Methode gefunden oder gewählt wird, welche die Feuersalamander in irgendeiner Form vor der Kamerabefahrung vergrämt.
Die im Rohrleitungssystem lebenden Feuersalamander dürften hier ein relativ gut geschütztes Quartier haben. Interessant ist auch die Frage, wo die Feuersalamander-Weibchen zum Absetzen ihrer Larven hinwandern. Möglicherweise verbleibt ein Teil der "Kanalpopulation" aufgrund der vorgefundenen Bedingungen (ein idealer Aufenthaltsort für Feuersalamander: relativ hohe Luftfeuchte, kühl, als Winterquartier frostfrei und ein gutes Nahrungsangebot durch Einfall in die Einstiegsschächte!) ganzjährig unterirdisch und erfreut sich an den kilometerlangen Wandermöglichkeiten im Kanalsystem mit punktuell eindringendem Tageslicht an den Einstiegsschächten.

Hinweise zu vielleicht ähnlichen Beobachtungen oder auch Ideen zu einer tierschonenden Methode können kurzfristig an Andreas Kronshage gegeben werden:
Dr. Andreas Kronshage; KronshageA@aol.com

39/7 Amphibienschutzzaun oder Tierquälerei

an der Mühlenstraße in Oerlinghausen?

von Brigitte Bender, Bielefeld
AG Amphibien & Reptilien des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend e. V.

So senkrecht stand der Hinwanderzaun am 28. März und das Laichgewässer befindet sich gleich auf der anderen Straßenseite (ohne Zaun), die rückwandernden Tiere standen vor einem senkrechten Zaun. Manche Kfz fuhren hier abends Schlangenlinien, aber nicht alle. Am 28. März lag ein Erdkrötenmännchen tot vor dem Zaun auf der Strasse. Wir haben einige der Haltestäbe umgesetzt, damit der Zaun schräg stand, Laub in die leeren Eimer gepackt usw. Die Eimerdeckel lagen weit neben den Eimern, statt den Inhalt zum größten Teil zu bedecken. Der Zaun war offenbar auch am Vortag nicht betreut worden, denn am Ostermontag befanden sich um 16 Uhr in einem Eimer (Bereich Bachmauer) 3 Erdkröten-Paare, 7 Erdkrötenmännchen, 2 Teichmolchmännchen. Im nächsten Eimer 2 Erdkröten-Paare, 6 Erdkrötenmännchen, alle waren schutzlos in offenen Eimern, ohne jede Versteckmöglichkeit Wetter und Fressfeinden ausgesetzt.

Wir haben diese Amphibien noch zur Teichböschung gebracht während ein heftiges Gewitter mit Hagelsturm tobte, Äste fielen herunter und wir sind weg gefahren. Am Dienstag wurde es gemeldet in der Hoffnung, dass hier schnellstens fachkundiger Amphibienschutz erfolgt. Offenbar hat aber nur jemand die Haltestäbe schräg gedrückt.

Am 16. April ab 20:35 bei 9 °C, noch feucht nach Regenschauern am Nachmittag. Die Fangeimer waren bis auf einen alle geöffnet. Feuchtes Moos oder Laub in mind. 10 cm Höhe war in keinem Eimer vorhanden. Ebenso fehlten die zwei Stöckchen pro Eimer für Käfer und Mäuse. Alle Eimer waren ohne Substrat für Amphibien, bis auf die offenbar hinein gefallenen einzelnen trockenen Blätter.

Insgesamt habe ich 3 tote Molche und eine tote Maus in den „Amphibienschutz-Eimern“ gefunden. Käfer und andere Insekten waren teils tot, teils noch eben lebend.

Der einzige mit Deckel verschlossene Fangeimer am 16. April, war der Eimer, der am 28. März bereits völlig kaputt war. Selbstverständlich schlüpfen Molche und Insekten in einen solch kaputten Eimer, da hilft der Deckel nur der Optik! Die Tiere darin vertrocknen oder verhungern. Trostlos! Ich habe alle Eimer heraus genommen, die Löcher so verfüllt, dass Tiere diese verlassen können. Die Eimer habe ich hinter den Zaun gelegt, damit evtl. noch lebende Tiere hinauslaufen können.

In dem Fall kann keine Ausrede der Verantwortlichen gelten. Solch eine Tierquälerei kann niemand als Amphibienschutz bezeichnen.

39/8 Folienzäune - Bewertung

in der wochenlangen Praxis
Folienzäune für den saisonalen Amphibienschutz und die Bewertung der Schutzzäune durch Amphibienbetreuer in der wochenlangen Praxis

von Brigitte Bender, Bielefeld
AG Amphibien & Reptilien des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend e. V.

Diese Folienzäune werden häufig an Kreisstraßen aufgebaut (hier Beispiele im Kreis Lippe). Die winddichten Folienzäune stehen senkrecht und sind an Kreisstraßen dem Wind und Sturm ausgesetzt, LKWs fahren mit gut 70 km/h dicht an ihnen vorbei.

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Die Folienschutzzäune bewegen sich also stets, werden besonders bei jedem Lkw der vorbeifährt durch den Unterdruck angezogen und reißen irgendwann.

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Die Gummis, die den Zaun oben halten, fehlen oder reißen ab, dadurch hängt der Zaun, die Schutzfunktion läuft gegen Null. Amphibienbetreuer berichten, dass sie täglich den Zaun wieder hochziehen müssen.

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Durch den senkrechten Aufbau können Amphibien den Zaun von der gegenüberliegenden Straßenseite aus (Einfahrten, Rückwanderer) nicht überwinden.

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Folienzäune sind aufgrund des Materials nicht flexibel genug aufzubauen, durch die Faltenbildung in den Kurven usw. kann der Zaun von Amphibien zur Straße hin überklettert werden. Man achte auch auf den schrägen eingebauten Fangeimer. Fachkundigigkeit fehlt! Hier können alle Amphibien den „Fangeimer“ wieder verlassen.

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Die Fangeimer sollen dicht am Schutzzaun eingebaut sein, das ist offenbar bei diesem Folienzaun-Aufbau nicht so einfach. Es sei denn man schneidet die Folie kreuzweise dort ein, wo der Fangeimer platziert werden soll. Von der Straßenseite wurde hier versucht mit einem Haufen Erde den Zaun näher an den Fangeimer zu bekommen.

Die Fangeimer werden meist von der Straßenseite aus betreut. (Gründe: wandernde oder nur leicht eingegrabene Amphibien im Zaunbereich! Nasse, steile Gräben usw.)

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Durch den Morgentau oder Regen sind die Folienzäune so feucht, dass die Amphibienbetreuer während der Kontrolle von Zaun und Fangeimer stets feuchte bis nasse Jackenärmel bekommen. Weiterhin sind die Fangeimer bei der täglichen Kontrolle (von der Straße aus) kaum zu sehen, Markierungen hierfür sind am Zaun schlecht bzw. gar nicht anzubringen, bzw. rutschen weg.

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Zu all den Fehlern, des nicht fachgerechten Aufbaus kommt dann noch die auf der Lauffläche aufgetragene dicke Sandschicht des Zaunes. Im Sand zu laufen bedeutet nicht nur für Amphibien einen erhöhten Kraftaufwand und verlängert die Zeit, die Amphibien gefährdet (Prädatoren) am Zaun entlang laufen. Bei Nässe wandern z.B. Erdkröten wie mit Sand paniert am Zaun entlang.

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Der Sand fließt im Laufe der Wochen stetig weg, tiefe Lücken entstehen so, vor allem neben den Eimern am Zaun, in die Amphibien hineinkriechen bzw. fallen und so durch den Zaun schlüpfen können. Amphibienbetreuer bemängeln dass ihre Stiefel stets sandig sind, so auch Handschuhe und Hände, und im Auto befindet sich nicht nur am Schaltknüppel Sand.

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Aber auch auf dem Zaunsaum fließt der Sand weg und Amphibien können unter dem Zaun leicht in den Straßenraum durchschlüpfen. Der Foliensaum wird über Gras, Stöckchen und andere Unebenheiten gelegt, da findet fast jeder Molch einen Weg hinaus auf die Straße.

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Der Ansatz von Zaun zu Zaun scheint ebenfalls ein großes Problem zu sein, denn hier ist immer ein großer Faltenwirrwarr zu beobachten nebst großen Schlupflöchern für Amphibien.

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Auch soll dieser Folienzaun nur in 100 Meter Stufen verlängert oder verkürzt aufgebaut werden können, erzählte Personal des Bauhofs Kreis Lippe. (Man möchte ihn viell. nicht zerschneiden?)

Möglich ist es ja vielleicht, dass diese Folienzäune von Amphibienfachkundigen, die außerdem auch praktisch talentiert sind, gut aufgebaut werden können. In der Regel werden sie aber immer von Personen aufgebaut, die nicht amphibienfachkundig sind und meist auch nicht praktisch talentiert sind.
Eine Anleitung wird ihnen nach Mitteilung auch nicht an die Hand gegeben.

Das sind elf Punkte, die die Mängel dieses Amphibienschutzzaunes beschreiben. Das sollten genug Gründe sein, sich um einen besseren Schutzzaun sowie Aufbau, Anleitung und Material zu kümmern.

1. für den Aufbau wird ein extrem hoher Zeitaufwand (mehrere Tage) benötigt. (Anlieger haben dies beobachtet sowie geäußert)
2. Sand muss nicht nur gekauft, sondern auch jährlich herbei geschafft und aufgetragen werden.
3. Verschleiß und Reißen der Gummis sowie Ausreißen der Folie durch Wind und nicht fachgerechtem Aufbau, also Neuanschaffung von Schutzzäunen etc.
4. Jährlich erfolgen nach dem Aufbau mehrmalige Korrekturarbeiten an den Schutzzäunen mit An/Abfahrten.
5. Im Verlauf der Saison wären weitere Korrekturen erforderlich, verbleiben dann aber, da die frustrierten Amphibienbetreuer keine Reklamation mehr durchgeben.

Anschrift: Brigitte Bender, Arbeitsgruppe Amphibien und Reptilien der Naturwissenschaftlicher Verein für Bielefeld und Umgegend e. V., Tel. 0521 / 33 53 29; E-Mail: bbamphibien@aol.com

39/9 Erinnerungen an Gerhard Hallmann

Gerhard Hallmann 2009

Trauer über den Tod des Herpetologen und Naturschützers

von Wilfrid Loos


Am 29. Juli 2016 ist der nicht nur deutschlandweit bekannte Herpetologe, Terrarianer und Naturschützer nur wenige Monate nach Vollendung seines 81. Lebensjahres gestorben.

Gerhard Hallmann wurde am 20. April 1935 in Danzig-Langfuhr geboren. Er hatte einen Bruder und vier Schwestern, sein Vater ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Von seinem Vater hatte er wohl seine Tierliebe geerbt, denn dieser war ein begeisterter Kanarien- und Karnickelzüchter und hatte den Sandkasten für seinen Sohn Gerhard als Freilandterrarium umgebaut. In diesem hielt Gerhard schon als Sechsjähriger Blindschleichen und Zauneidechsen. Gerhard Hallmann war schon als Kind naturkundlich interessiert.

Die Familie flüchtete, als Gerhard 10 Jahre alt war, aus Danzig. Unterwegs, bei einem Zwischenstopp in Klein Breesen bei Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) fing Gerhard Ringelnattern und hielt sie in einem Eimer. Unvergessen sind ihm auch die vielen Rotbauchunken, die die umliegenden Gewässer besiedelten, wie er dem Verfasser erzählte. Damals entwickelten sich auch schon die ersten Bestrebungen für den Schutz der Tiere einzutreten. So war Gerhard auch als Kind ein entschiedener Gegner jener Unsitte, Frösche aufzublasen und ging aktiv dagegen vor.

Auf ihrer Flucht „landete“ die Familie, im August 1946, auf der Insel Amrum. Dort interessierten ihn die großen Waldeidechsenpopulationen, die Kreuzkröten und die Moorfrösche. Untergebracht waren sie in einem ehemaligen Hotel, das allerdings 1948 in ein Kinderheim umgenutzt wurde. So ging es im September 1948 weiter in den Kreis Lippe, nach Stapelage bei Detmold. Aus der in der Nähe liegende Senne holte sich Gerhard Blindschleichen und Zauneidechsen für sein selbstgebautes Terrarium. Dieses bestand aus einer Holzkiste, die oben mit einem Fliegengitter verschlossen war.

Als Gerhard dann in seinem „Terrarium“ auch Kreuzottern hielt - die Mäuse zum Verfüttern besorgte er sich vom örtlichen Friedhof - beschwerte sich seine Mutter über die Schlangen beim Bürgermeister. Dieser gab dem Gerhard zwei „Ohrfeigen“, verbot ihm die weitere Haltung von dem „Getier“ und ließ die Kreuzottern totschlagen.

Besonders wichtig für die Entwicklung von Gerhard Hallmann waren die Buchgeschenke seines Volksschullehrers Thiel, u.a. „Die Kriechtiere und Lurche Deutschlands“ von Kurt Floericke, so las Gerhard auch zum ersten Mal etwas über einheimische Amphibien und Reptilien.

Die nach der Schule aufgenommene Lehre als Anstreicher brach er ab und begann auf dem Bauernhof der Firma Gildemeister eine Ausbildung zum Landwirtschaftlichen Gehilfe. Das war auch nicht so richtig seine Sache.

In der Umgebung von Detmold machten viele Bergleute aus Dortmund eine von ihrer jeweiligen Zeche bezahlte Kur. Diese erzählten ihm von den guten Verdienstmöglichkeiten im Bergbau, so dass er sich entschloss, 1952 als Berglehrling auf der Zeche Zollern II in Dortmund-Bövinghausen anzufangen. Er war im Lehrlingsheim der Zeche untergebracht, zu seinem Leidwesen durfte hier kein Terrarium aufgestellt werden.

1955 bewarb sich Gerhard Hallmann erfolgreich zur Polizeiausbildung. Auch auf der Polizeischule wurden keine Terrarien geduldet. Im letzten Jahr seiner Ausbildung wohnte Gerhard bei seiner Schwester, hier konnte er dann ein Freilandterrarium einrichten, zum Halten von Ringelnattern und Smaragdeidechsen. In den Jahren ohne Terrarium kompensierte Gerhard seine Leidenschaft zur Herpetologie durch intensives Beobachten und Studieren der jeweils örtlichen Fauna. Seine herpetologischen Kenntnisse erweiterte Gerhard durch fleißiges Lesen der Fachliteratur.

Nach Absolvierung der Polizeiausbildung bewarb sich Gerhard Hallmann für einen Posten in der schönen und naturkundlich hochinteressanten Eifel. Dieser Wunsch wurde aber abgelehnt und so bekam er bzw. behielt seinen Dienstsitz Dortmund. Hier suchte er ganz bewusst eine Mietwohnung, in der er auch Terrarientiere halten konnte. Sein Vermieter erlaubte ihm sogar, im nach Süden ausgerichteten Garten ein Freilandterrarium anzulegen. Gisela, die Tochter des Vermieters, wurde übrigens 1961 Frau Hallmann. Ein Jahr später war die Familie Hallmann vollständig, durch die Geburt der Tochter Claudia.

18 Jahre lang tat Gerhard Hallmann seinen Dienst auf einem Funkwagen, bis er dann weitere 18 Jahre in der Leitstelle im Polizeipräsidium arbeitete und schließlich 1995 in Pension ging.

1959 fuhr Gerhard das erste Mal in den Kaiserstuhl. Hier wollte er ein Pärchen Smaragdeidechsen fangen. Nachdem er ein Männchen erwischt hatte, sprach ihn ein Beobachter an - wie sich herausstellte, war es der bekannte Herpetologe Richard Oeser. Dieser zeigte dem Gerhard Hallmann seine Terrarienanlage und gab ihm wertvolle Tips zur Haltung von Terrarientieren. Auch machte er ihn auf den „Salamander“ aufmerksam, eine Vereinigung von Terrarianern und Herpetologen. Gerhard wurde sofort Mitglied im „Salamander“, aus dem die spätere DGHT hervorging. In Düsseldorf trafen sich die Westdeutschen Amphibien- und Reptilienliebhaber, so wurde auch Gerhard Hallmann hier regelmäßiger Gast, neben so bekannten Persönlichkeiten wie Karl Koch, Rudolf Strötgen, Hans Ziegler und Fritz Molle, um nur einige zu nennen.

Im Garten seines Wohnsitzes baute sich Gerhard Hallmann ein Gewächshaus für die Haltung auch exotischer Tiere. In der Anfangszeit waren es hauptsächlich Tiere aus dem Mittelmeergebiet und hier besonders Reptilien aus dem ehemaligen Jugoslawien. Viele Sammelreisen führten entlang der Dalmatinischen Küste. Damals gab es noch nicht so viele Zoohändler, die mit Amphibien und Reptilien handelten. Weitere Reiseziele waren Griechenland, Italien und Spanien.

Ganz besonders gern und erfolgreich pflegte er Tiere aus der Gattung Anolis. Um deren Lebensräume kennen zu lernen, unternahm Gerhard auch Reisen zu den Inseln der Kleinen Antillen. Später wandte er sich hauptsächlich der Pflege und Nachzucht der Gattung Phelsuma zu. Auch bei dieser Tiergattung gehörte er zu den äußerst erfolgreichen Nachzüchtern. Selbstverständlich suchte er auch die Lebensräume der Phelsumen auf, um so die Terra typica der jeweiligen Arten zu besuchen und zu studieren. Harald Meier benannte 1989 Gerhard Hallmann zu Ehren eine neue, von ihm auf Madagaskar gesammelte Phelsuma-Sippe als Phelsuma pusilla hallmanni (Meier 1989).

Bei Gerhard Hallmann trafen sich alle, die sich für die Herpetofauna interessierten oder Terrarianer waren. Gerhard und seine Frau Gisela waren sehr liebenswerte Gastgeber. Die vielen und häufigen Besucher beeinträchtigten allerdings auch sein Privatleben sehr stark. Dies führte dazu, dass Gerhard Hallmann Ende der 1960er Jahre,die Terrarienfreunde zu einem monatlichen Treffen außer Haus einlud, anfangs in eine Gaststätte am Mengeder Bahnhof. Damals war es noch eine kleine „Gemeinde“, ohne festes Programm oder Dia-Projektor. Bilder wurden von Hand zu Hand gegeben und jeder erzählte über seine Erfahrungen mit der Haltung und Nachzucht von Terrarientieren. Es konnten Fragen gestellt und Informationen weiter gegeben werden.

Zu diesen Zusammenkünften kamen immer mehr Terrarienliebhaber, so dass ein neuer größerer Tagungsort genutzt werden musste; die monatlichen Treffen wurden auch institutionalisiert, 1971 in eine DGHT-Stadtgruppe Dortmund maßgeblich von Gerhard Hallmann umgewandelt; er wurde folglich zu ihrem ersten Leiter gewählt. Dieses Amt übte er bis 1982 aus.

In der DGHT war Gerhard Hallmann ein gefragter Diskussionspartner und Ratgeber. Aber auch er nutzte gerne das Wissen von anderen Terrarianern und Wissenschaftlern. Wahrscheinlich hatte Gerhard Hallmann zudem alle DGHT-Tagungen besucht. Der Verfasser kann sich an viele gemeinsame Tagungsbesuche erinnern, die auf der Rückfahrt mit Exkursionen ins Gelände oder Besuche bei aktiven Terrarianern verbunden waren.

Gerhard Hallmann widmete sich auch dem Schutz der heimischen Herpetofauna und ihrer Lebensräume. Er gründete 1981 die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Dortmund (AGARD), die sich seitdem sehr erfolgreich in Dortmund für den Schutz von Fröschen, Kröten, Molchen, Schlangen und Eidechsen einsetzt.

Die Stadtverwaltung Dortmunds berief Gerhard Hallmann in den Landschaftsbeirat, in dem er viele Jahre für Natur und Umwelt wirkte. Hier beteiligte er sich auch an der Erarbeitung des Bioökologischen Grundlagen- und Bewertungskataloges für Dortmund (Blana et al. 1984, 1985, 1990).

Gerhard Hallmann wurden aufgrund seines vorbildhaften Schaffens und Wirkens viele Ehrungen verliehen. Herausragend sind davon das Bundesverdienstkreuzes und der Umweltpreis der Stadt Dortmund. Es muss auch erwähnt werden, dass sein Eintreten für Natur- und Umweltschutz nicht nur Beifall fand. Es gab auch massiven Gegenwind und Ablehnung ob seines Engagements, aber Gerhard Hallmann hat sich immer souverän verhalten und den Mut nicht sinken lassen.

Bei den westfälischen Herpetologen war Gerhard Hallmann ebenfalls sehr aktiv, er war Mitglied im Arbeitskreis des berühmten Reiner Feldmann und lieferte seine feldherpetologischen Daten zu Vorkommen, Bestand, Ökologie usw. für die Abhandlung „Die Amphibien und Reptilien Westfalens“ (Feldmann 1981). Ebenso konnten Redaktion und Autoren auf Gerhard Hallmanns aktuelle herpetologische Daten für das „Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens“ (Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen 2011) zurückgreifen. Bei den Jahrestagungen des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien NRW war Gerhard Hallmann regelmäßig anwesend.

Um sein Engagement nur annähernd aufzulisten, fehlt hier der Platz. Unzählbar sind allein seine Vorträge über Natur und Umweltschutz, Amphibien und Reptilien und auch deren Haltung, Pflege und Nachzucht.

Den besten Überblick über das Wirken von Gerhard Hallmann, in vielfacher Weise, findet man in der Publikation „Die Geschichte der Herpetologie und Terrarienkunde im deutschsprachigen Raum“ (Rieck, Hallmann & Bischoff 2001) - eine weitere große Leistung aus seiner Tätigkeit. Zudem sei auf die Nachrufe in den AGARD-Publikationsorganen verwiesen.

Wir werden Gerhard Hallmann nicht vergessen. Auf örtlicher Ebene wird sein herpetologisch-naturschutzfachliches Lebenswerk von den Dortmunder Naturschützern mit hohem Elan weitergeführt; seine taxonomisch-ethologischen Untersuchungen vor allem an Anolis und Phelsuma bilden eine Grundlage weiterer Forschungen; das von ihm maßgeblich mit erarbeitete oben genannte Buch zur Historie der Herpetologie und Terrarienkunde in den deutschsprachigen Ländern wird lange das Standardwerk bleiben... - um nur drei bleibende „Meilensteine“ zu nennen, die Gerhard Hallmann gesetzt hat. Wir sind über seinen Tod sehr traurig.

Fotos
1 Exkursion zum Kaiserstuhl 1976; v. l. Wilfrid Loos, Gerhard Hallmann, Horst Juschka. Foto: Sammlung W. Loos
2 Exkursion in Jugoslawien 1984; v. l. Gerhard Hallmann, Schlangenexperte Bozo Mesnic, Wilfrid Loos, Ekkehard van Haut. Foto: Sammlung W. Loos
3 Tagung des Arbeitskreises im November 2005 in Oberhausen. Foto: Martin Schlüpmann
4 Gerhard Hallmann 2009. Foto: privat
5 Gerhard Hallmann 2009. Foto: privat
6 Gerhard Hallmann 2010. Foto: Sammlung W. Loos

Literatur

Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen in der Akademie für ökologische Landesforschung e. V. (Hrsg.) (2011): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. Bd. 1 & Bd. 2; zus. 1296 S.

Blana, H., unter Mitarb. v. H.-W. Böcking, D. Büscher, H. F. Gorki, G. Hallmann, E. Kretzschmar & R. Neugebauer (1984): Bioökologischer Grundlagen- und Bewertungskatalog für die Stadt Dortmund. Teil 1: Methodik der Datenerfassung und Landschaftsbewertung; Allgemeine Bewertungsgrundlagen für das gesamte Stadtgebiet. – Dortmund (Stadt Dortmund unter Beteiligung des KVR).

Blana, H., unter Mitarb. v. H.-W. Böcking, D. Büscher, H. F. Gorki, G. Hallmann, E. Kretzschmar & R. Neugebauer (1984): Bioökologischer Grundlagen- und Bewertungskatalog für die Stadt Dortmund. Teil 2: Spezielle ökologische Grundlagen und Landschaftsbewertung für das Landschaftsplangebiet “Dortmund-Nord” (Stadtbezirke Mengede, Eving, Scharnhorst) – (Hrsg.: Stadt Dortmund unter Beteiligung des KVR).

Blana, H., unter Mitarb. v. H.-W. Böcking, D. Büscher, H. F. Gorki, G. Hallmann, E. Kretzschmar & R. NeugebauerBewertungskatalog für die Stadt Dortmund. Teil 3: Spezielle ökologische Grundlagen und Landschaftsbewertung für das Landschaftsplangebiet “Dortmund-Süd” (Stadtbezirke Hombruch, Hörde, Aplerbeck) – (Hrsg.: Stadt Dortmund unter Beteiligung des KVR).

Blana, H., unter Mitarb. v. H.-W. Böcking, D. Büscher, H. F. Gorki, G. Hallmann, E. Kretzschmar, D. Münch & R. Neugebauer (1990): Bioökologischer Grundlagen- und Bewertungskatalog für die Stadt Dortmund. Teil 4: Spezielle ökologische Grundlagen und Landschaftsbewertung für das Landschaftsplangebiet “Dortmund-Süd” (Stadtbezirke Hombruch, Hörde, Aplerbeck) – (Hrsg.: Stadt Dortmund unter Beteiligung des KVR).

Feldmann, R. (Hrsg.) (1981): Die Amphibien und Reptilien Westfalens. - Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen 43; 161 S.

Meier, H. (1989): Eine neue Form aus der lineata-Gruppe der Gattung Phelsuma auf Madagaskar. Salamandra 25: 3/4, S. 230-236; Bonn.

Rieck, W., G. Hallmann & W. Bischoff (Hrsg.) (2001): Die Geschichte der Herpetologie und Terrarienkunde im deutschsprachigen Raum. – Mertensiella 12; 759 S.

39/10 Jahrestagung 2016

des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen

Programm

09:30: Öffnung des Tagungsbüro
10:00: Begrüßung
Gedenken an Gerhard Hallmann
10:15-10:40 Uhr Bettina Krebs & Kai Kirst (Biologische Station StädteRegion Aachen e. V.): LIFE-Amphibienverbund: Hilfe für Gelbbauchunke, Kreuz- und Geburtshelferkröte in der StädteRegion Aachen
10:40-11:10 Uhr Johanna Marks (Ruhr-Universität Bochum): Untersuchung rekultivierter und renaturierter Industriebrachen als Ersatzlebensraum für die Kreuzkröte am Beispiel ausgewählter Standorte in Dortmund
11:10-11:30 Uhr Matthias Mause (Ruhr-Universität Bochum): Populationsökologische Untersuchungen zur Kreuzkröte auf ausgewählten Standorten in Bochum unter besonderer Berücksichtigung perspektivischer Erhaltungsmaßnahmen
11:30-11:50 Uhr Ulrich Haese (Stolberg): Kreuzottern in der Eifel!?
11:50-12:15 Uhr Arno Geiger (LANUV Recklinghausen): Die Knoblauchkröte in NRW – Verbreitung und Bestand – Stand 2016
Mittagspause
13:30-14:00 Uhr Matthias Olthoff (Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld) & Niels Ribbrock (Biologische Station Kreis Recklinghausen): Westfalens Wilder Westen – eine Projektidee für den ehemaligen Truppenübungsplatz Haltern
14:00-14:15 Uhr Martin Schlüpmann (Hagen): Erfahrungen und bisherige Ergebnisse der Online-Fundpunkterfassung
14:15-14:45 Uhr Ulrich Haese (Stolberg): Das niederländische Fundmeldesystem – eine Möglichkeit der einfachen Datenerfassung auch für den Arbeitskreis
14:45-15:15 Uhr Diskussion zum weiteren Vorgehen bei der Online-Datenerfassung
Kaffeepause
16:00-16:30 Uhr Stefan Lötters (Universität Trier): Die Bedrohung durch den Salamanderfresserpilz (Batrachochytrium salamandrivorans)
16:30-16:50 Uhr Cordula Frenck (Münster): Ringelnattern in den Rieselfeldern Münster - Eine methodologische Studie
17:00-17:30 Uhr: Öffentliches Treffen des Arbeitskreises

Kostenpauschale inkl. Getränke von jedem Teilnehmer: Ein Catering wird ein Mittagessen liefern. Kosten ca. 10,00 €
Bitte teilen Sie uns bei der Anmeldung mit, ob Sie am Mittagessen teilnehmen und ob Sie ein vegetarisches Essen wünschen.

Tagungsort
Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes NRW (NUA), Siemensstr. 5, 45659 Recklinghausen; Tel. 02361/305-0, Fax: 02361/305-3340; E-Mail: poststelle@nua.nrw.de

Anreise
Bahn: Intercity - Linie Münster - Düsseldorf, Nahverkehrslinie Münster - Essen, jeweils bis RE-Hauptbahnhof
PKW: Autobahn A 2, Abf. Recklinghausen-Süd/Hillerheide, B 51/Herner Straße, Blitzkuhlenstraße, Siemensstraße (dem Schild „LANUV/nua“ folgen), oder A 2 Abf. Recklinghausen-Ost/Suderwich, Blitzkuhlenstraße, Siemensstraße

Veranstalter

Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW
Landesgemeinschaft Naturschutz u. Umwelt NRW e.V.
Natur- und Umweltschutzakademie NRW

Fotos der Jahrestagung

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39/11 Kartierungsstand 01.11.2016

Präsentation der Kartierungergebnisse 2012-2016 (Zwischenergebnisse Stand 1.11.2016) hier als pdf laden ..... [2.349 KB]

alle Taxa

Schwanzlurche

Froschlurche

Echsen

Schlangen

ausgesetzte Wasserschildkröten

39/12 Ringelnattern in den Rieselfeldern Münster

Eine methodologische Studie

von Cordula Frenck


Aufbauend auf ein ausführliches Ringelnatter-Monitoring in den Rieselfeldern wurde 2014 eine Bachelorarbeit in der Arbeitsgruppe Limnologie des Instituts für Evolution und Biodiversität der Westfälischen Wilhelms-Universität unter Leitung von Frau Prof. Elisabeth I. Meyer durchgeführt. Ziel der Arbeit war, eine effiziente Methode(-nkombination) zu entwickeln, die in Zukunft in den Rieselfeldern oder ähnlichen Gebieten von Nutzen sein kann. Dazu wurden drei Methoden angewendet und analysiert: die Anwendung künstlicher Verstecke (KV) sowie Sichtbegehung und öffentlicher Aufruf. Künstliche Verstecke waren bereits im Vorjahr erfolgreich angewendet worden. Nun sollten sie insbesondere im Hinblick auf das Clustern, also das Auslegen mehrerer Verstecke nahe beieinander, untersucht werden. Hierbei entstand die Überlegung, ob Ringelnattern seltener zu mehreren oder zusammen mit Blindschleichen (intra- und interspezifische Vergesellschaftung) unter den Verstecken aufzufinden sein würden als im Vorjahr.

Es ergaben sich drei Annahmen: Das Clustern von künstlichen Verstecken führt zu effizienteren Kontrollen bezogen auf Zeitaufwand und Anzahl gefangener Ringelnattern.

Das Clustern von künstlichen Verstecken führt zu weniger inter- und intraspezifischer Vergesellschaftung unter den Verstecken.Die Einbeziehung der Öffentlichkeit und die Sichtbegehung führen zu einer detaillierteren Darstellung der Verbreitung von Ringelnattern im Gebiet.Die erste Annahme kann als bestätigt angesehen werden, denn es wurden mehr Ringelnattern gefangen als im Vorjahr und somit spricht die erhöhte Effizienz für das Auslegen mehrerer Verstecke nah beieinander. Noch deutlicher wird dies im Vergleich zwischen einzelnen und geclusterten Brettern im selben Untersuchungszeitraum: Bretter, die Nachbarbretter hatten, führten deutlich häufiger zum Nachweis.

Die zweite Annahme wurde widerlegt. Es trat mehr inter- und signifikant mehr intraspezifische Vergesellschaftung unter geclusterten Verstecken auf. Die Anwesenheit anderer Reptilien scheint keinen Einfluss auf die Wahl des Verstecks zu haben. Stattdessen müssen andere Faktoren entscheidend sein, welche in zukünftigen Untersuchungen ermittelt werden könnten.

Die dritte Annahme erwies sich als richtig. Ein detaillierteres Bild der Verteilung von N. natrix im Gebiet konnte mit Hilfe der Sichtbegehung und des öffentlichen Aufrufs erstellt werden. Die Kontrolle der KV allein hätte nicht zu einem solchen Muster geführt. Allerdings ist bei der Sichtbeobachtung der hohe Zeitaufwand für einen eher geringen Informationsgewinn zu erwähnen. Der öffentliche Aufruf dagegen führte ohne viel Aufwand zu zusätzlichem Wissen.

Ein detaillierter Bericht über die Arbeit findet sich im Jahresbericht 2014 der Biologischen Station Rieselfelder. Die ganze Arbeit in englischer Sprache ist im Schüling Verlag unter dem Titel „Population Study oft the Grass Snake in the Rieselfelder Münster – A Methodological Approach“ erschienen mit der ISBN 978-3-86523-271-7.

Letzte Änderung am Sonntag, 25. Juni 2017 um 12:39:51 Uhr.

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