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Rundbrief 38 - 2015

38/1 Terminübersicht 2015

Jahrestagung 2014

So, 25.01.2015 Duisburg (NUA-Programm)
Flora und Fauna im Ruhrgebiet
Biologische Station Westliches Ruhrgebiet
NUA-Veranstaltung Nr. 122

Di. 28. – Mi. 29.4.2015 Duisburg (NUA-Programm)
Nachweis- und Fallenfangmethoden für das Monitoring von Amphibien
Biologische Station Westliches Ruhrgebiet u. AK Amphibien u. Reptilien NRW
NUA-Veranstaltung Nr. 127

Do. 7. – So. 10.5.2015 Recke, LWL-Museum für Naturkunde/Außenstelle Heiliges Meer
Amphibienkurs
LWL-Museum für Naturkunde Außenstelle Heiliges Meer u. AK Amphibien u. Reptilien NRW

Mo. 17. – Di. 18.8.2015 Recke, LWL-Museum für Naturkunde/Außenstelle Heiliges Meer (NUA-Programm)
Blänken – Kleingewässer in der Landschaft: Lebensraum, Anlage, Pflege, Monitoring
Veranstalter: LWL-Museum für Naturkunde Außenstelle Heiliges Meer, Straßen.NRW, NUA
NUA-Veranstaltung Nr. 116
Teilnahmebeitrag: ca. 70,00 €.

Mi. 9.9.2015 Wuppertal Haus Müngsten (NUA-Programm)
Gemeinsam für die Schlingnatter – Erfahrungen aus 20 Jahren Schlingnatter-Schutz in Wuppertal
NUA, Stadt Wuppertal, Amprion & LANUV
NUA-Veranstaltung Nr. 178
Teilnahmebeitrag: 30,00 € inkl. Mittagessen

Fr. 18. – So. 20.9.2015 Recke
Reptilienkurs
LWL-Museum für Naturkunde Außenstelle Heiliges Meer u. AK Amphibien und Reptilien NRW
mehr Informationen und Anmeldung: LWL .....

Di. 29.9.2015 Wesel (NUA-Programm)
Amphibien und FFH-Monitoring, Methoden
Biologische Station im Kreis Wesel, AK Amphibien u. Reptilien NRW & NUA NRW
NUA-Veranstaltung Nr. 051
Teilnahmebeitrag: 25,00 €
mehr Informationen und Anmeldung: NUA .....

So. 8.11.2015 Recklinghausen (NUA-Programm)
Jahrestreffen des Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW
NUA, LNU u. AK Amphibien u. Reptilien NRW
NUA-Veranstaltung Nr. 141
Teilnahmebeitrag: 5,00 €

38/2 Waschbären – eine Gefahr für Amphibien

im Naturschutzgebiet „Grube 7“ in Haan-Gruiten

von Volker Hasenfuß

NSG Grube 7

NSG "Grube 7"
Im Kreis Mettmann gibt es zahlreiche aktive und stillgelegte Kalksteinbrüche. Das ca. 60 ha große NSG „Grube 7“ in Haan-Gruiten gliedert sich in zwei Teilflächen. Im Süden befindet sich der ehemalige Kalksteinbruch mit unterschiedlichen Entwicklungsstadien eines aufgelassenen Steinbruchs. In diesem Bereich konnten in den letzten Jahren mehr als 340 Pflanzen-, mehrere Vogel- und Amphibienarten nachgewiesen werden (Landschaftsplan 2000 Kreis Mettmann). Der nördlich gelegene ehemalige Klärschlammteich mit seinem Orchideenvorkommen spielt in dieser Betrachtung keine wesentliche Rolle.

Großer Teich

Grasfrosch- und Krötensterben im NSG
Nach dem Trockenfallen der Wasserflächen im stillgelegten Steinbruch „Grube 7“ durch tiefere Abgrabung im Nachbarsteinbruch haben die Aktiven der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) Haan, u. a. mit Hilfe der Kalkwerke, des NABU Kreis Mettmann und mit der ULB des Kreises Mettmann (Projekt Euroga) ab 1999 zehn Amphibienteiche angelegt. Neun Teiche haben eine Größe von ca. 120 qm, der zuletzt angelegte Teich ist 1400 qm groß.

Erdkröte

Diese Gewässer wurden von den Geburtshelfer- und Kreuzkröten sowie den anderen Amphibienarten sehr gut angenommen. In den Folgejahren haben sich diese Amphibienpopulationen zu den besten im Kreis Mettmann entwickelt. Die Chöre der Kreuzkröten waren zur Laichzeit weit zu hören, und im Sommer waren an manchen Abenden die Flächen um die Teiche wegen der Masse der jungen Kreuzkröten nicht begehbar.

Junger Waschbär

Vom Jahre 2008 an gab es dann einen kontinuierlichen Bestandsrückgang. In den Laichzeiten der Jahre 2011 bis 2014 wurden viele an- und ausgefressene Amphibien zwischen den Laichballen der Grasfrösche und den Laichschnüren der Kröten sowie an Land gefunden. Viele Amphibienexperten konnten das „Fraßbild“ auf den Fotos nicht erklären und nannten ganz unterschiedliche Prädatoren (Wanderratte, Marder, Dachs usw.).
Nachdem schon 2008 Fotos von vier jungen Waschbären in der Nähe des NSG Fotoaufnahmen gemacht wurden und auch Spuren am Teich auf den Waschbär hindeuteten, fiel der Verdach: auf die Waschbären. Es fehlte nur der eindeutige Beweis.

Wildkamera vor Laichstelle

Untersuchungen 2013 und 2014 mit einer Wildkamera
Eine vom NABU Mettmann zur Verfügung gestellte und im Frühjahr 2013 zur Laichzeit der Grasfrösche und Erdkröten im eingezäunten Bereich der Grube 7 aufgestellte Wildkamera brachte den Beweis. In dieser Nacht überlebte vermutlich kein Lurch an dieser Stelle. Morgens waren nur tote Tiere zu finden, die auch dem Graureiher noch als Nahrung dienten.

Nachtaufnahme

Ein Bericht und eine CD mit den Bildern der Wildkamera in der Zeit vom 11. bis 17. April 2013 wurde an die zuständigen Stellen verschickt. Außer den Waschbären war auf einigen Nachtaufnahmen ein Graureiher im Hintergrund zu sehen. Stockenten, ein Graureiher und eine Amsel besuchten am Tag kurze Zeit den Amphibienteich.

Zaun um Laichstelle

2014 wurde der Versuch unternommen, eine kleine Laichstelle mit einem Maschendrahtzaun zu schützen. Wie die 116 Waschbär-Aufnahmen der Wildkamera am 21./22.3.2014 zeigten, blieben die meisten Waschbären außerhalb des Zaunes, nur zwei Waschbären kletterten in dieser Nacht in den umzäunten Bereich – und das auch jeweils nur für kurze Zeit (15 bzw. 5 Minuten).

Waschbär klettert über Zaun

So ein kleiner eingezäunter Bereich schützt natürlich nur den hier vorhandenen Laich und leider nicht die aus der Umgebung anwandernden Amphibien. Da sich das Laich-Verhalten der Kreuzkröten über einen längeren Zeitraum erstreckt und es nicht zum Massenwandern zum Laichtümpel kommt, konnten die Wildkamera-Aufnahmen nur an einer Frosch- und Erdkröten-Laichstelle gemacht werden.

toter Bergmolch

Bei den Totfunden handelte es sich deshalb hauptsächlich um Erdkröten, Grasfrösche und einzelne Molche, es wurden aber auch außerhalb der Teiche auf den Zuwanderungsstrecken ausgefressene Tiere gefunden werden. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Erdkröten von unten geöffnet wurden und hauptsächlich die Froschschenkel ausgefressen wurden. Die Haut mit ihrem unbekömmlichen Sekret blieben meistens unangetastet.

Tote Erdkröte

2014 hat sich also zur Laichzeit der Amphibien in der „Grube 7“ das gleiche Drama abgespielt wie 2013 mit dem traurigen Ergebnis, dass im Sommer 2014 keine Kreuzkröte mehr nachgewiesen werden konnte. Auch Laichschnüre oder Jungtiere waren nicht mehr nachzuweisen.
Im Spätsommer 2014 war der „beste Tümpel für die Geburtshelferkröten“ total durchwühlt (es waren diesmal keine Gummistiefel-Spuren!) – Tage später waren keine Kaulquappen der Geburtshelferkröten mehr zu finden.

Tote Erdkröte

Fazit
Wenn es so weitergeht, werden die nach der FFH-Richtlinie streng geschützten Amphibienarten in der „Grube 7“ bald ausgestorben sein. Auch die Grasfrosch- und Erdkrötenpopulationen sind hier bereits stark zurückgegangen. Ebenfalls bedroht sind hier die Gelege des hier brütenden Uhus und der Waldschnepfe.
Entlang der Düssel bei Haan-Gruiten wurde das gleiche „Fraßbild“ toter Amphibien an etlichen Gewässern festgestellt. Die Flußläufe und die Höhlen in den Felswänden bieten einen idealen Lebensraum für die Waschbären.

38/3 „Environmental-DNA" eine neue Methode

für Monitoring und Artenschutz

von Jeroen van Delft
RAVON, Nijmegen, Niederlande

Mit der „environmental DNA-Technik“ (eDNA) wird das Vorhandensein oder Fehlen von Arten durch Wasserproben geprüft. Dazu arbeitet RAVON seit 2011 eng zusammen mit den französischen Entwicklern dieser Methodik, SPYGEN (Ficetola et al. 2008; Herder et al. 2012c, 2014; www.environmentaldna.nl). RAVON hat seitdem viele kleine und große Projekte zusammen mit SPYGEN mit guten Ergebnissen durchgeführt.

Die Methode ist sehr empfindlich und daher sehr geeignet, die Anwesenheit von Arten zu zeigen, auch dann, wenn nur noch wenige Individuen vorhanden sind. Mit klassischen Feldarbeit ist das auch möglich, aber die Chance ist weitaus geringer. Dejean et al. (2012) untersuchten in 49 Gewässer die Anwesenheit des Amerikanischen Ochsenfrosches, sowohl mit eDNA als mit traditionellen Methoden wie Sehen, Hören, Keschern und Suchen von Laich, Larven und erwachsenen Tieren. Mit traditionellen Methoden wurde die Präsenz des Ochsenfrosches in 7 der 49 Gewässer festgestellt. Die Ergebnisse der eDNA Studie, zeigte jedoch, dass Ochsenfrösche in 38 Wasser anwesend waren! Für den Kammmolch in den Niederlanden waren die Ergebnisse mit eDNA besser, im Vergleich zu der traditionellen Methode des Kescherns (Herder et al. 2013a und www.environmental-dna.com). Für die Knoblauchkröte sind die Ergebnisse sogar noch beeindruckender. Diese Art ist in den Niederlanden sehr selten. Es waren nur etwa 35 Lebensräume im ganzen Land bekannt. Mit eDNA gelang es nach einer Probenahme in 23 Gewässern sechs vermeintlich ausgestorbene Populationen dieser Art wieder zu entdecken. Das bedeutet eine Erhöhung der Anzahl der niederländischen Populationen um 17%punkte (Herder 2013).

Das Protokoll von Ficetola et al. (2008) ist von SPYGEN und RAVON verbessert worden. Zuvor war es gebräuchlich drei Proben aus einem Gewässer zu mischen und dies zur Analyse zu benutzen. Die Praxis hat gezeigt, dass es besser ist 20 Proben aus einem Gewässer zu nehmen und zu mischen. Seitdem machen wir es mit viel Erfolg auf diese Weise. Zusätzlich fügen wir, im Vergleich zu Ficetola et al. (2008), positive und negative Kontrollen für die Extraktion und Analyse (PCR) hinzu, um die Gültigkeit der Ergebnisse zu garantieren. Auch ist die Anzahl von PCR-Reaktionen auf die Probe von 9 bis 12 erhöht. Die Erfahrung zeigt, dass es oft nur wenig DNA in der Probe gibt (z. B. ist oft nur 1 von 12 PCR-Reaktionen positiv). Eine höhere Anzahl von PCR-Reaktionen, erhöht deshalb die Zuverlässigkeit der Analyse. SPYGEN hat speziell für die Arbeit mit eDNA ein Labor gebaut, um das Risiko einer Kontamination der Proben zu minimieren (separate Bereiche für die Extraktion/PCR, Zugangssystem mit Magnetkarten, Flächen unter Druck, UV-Lampen usw.).

Die Forschung hat gezeigt, dass eDNA nicht homogen, sondern heterogen über das Wasser verteilt ist. Die meiste eDNA ist in unmittelbarer Nähe der Zielspezies zu finden. Deswegen ist das ökologische Wissen über die Art und die Erfahrung der Feldarbeiter von entscheidender Bedeutung, um auf die vielversprechendsten Standorten Proben zu nehmen und die Trefferquote zu erhöhen. Eine Studie am Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) zeigte, dass an Stellen die von unsere Feldarbeitern als optimal eingeschätzt wurden, 2,5mal öfter Schlammpeitzger mit eDNA nachgewiesen wurden als an Stellen, die als mäßig geeignet beurteilt wurden (Abb. 1; Herder et al. 2013e). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dasselbe für z. B. Knoblauchkröte und Kammmolch gilt. RAVON verfügt über gute Kenntnisse der Amphibien und Fische und gewährleistet somit eine korrekte Probenahme. Wir haben zusammen mit SPYGEN Erfahrungen für viele Arten mit eDNA machen können. Abbildung 2 zeigt ca. 1000 Stellen in den Niederlanden, wo eDNA-Proben gesammelt worden sind.

Waschbär im Fels

Aus anderen Gebieten wird berichtet, dass Waschbären die Horste von Rotmilanen geplündert haben und Gelege von Kiebitzen mit Elektrozaun gesichert werden mussten (NABU Thüringen).
Im Kreis Höxter, dem Dichtezentrum der Waschbär-Population in NRW wurden in verschiedenen Naturschutzgebieten signifikante Rückgänge von Grasfröschen, Kreuz- und Erdkröten durch Waschbär-Prädation festgestellt (Beinlich 2012)

Bei der weiteren Ausbreitung der Waschbären ist der Erfolg vieler Maßnahmen zur Verbesserung der Bestandssituation der Amphibien und anderer Tiere in Frage stellen (z. B. das Aufstellen von Krötenschutzzäunen, das Betreiben von An- und Aufzuchtstationen für Amphibien).

Anschrift
Volker Hasenfuß, Am Bandenfeld 22, 42781 Haan; Tel. 02129 / 51365, E-Mail: hasenfuss.haan@arcor.de

Abb. 1

Erhöhung der Trefferquote von Nachweisen des Schlammpeitzgers (Misgurnus fossilis) durch die Anwendung spezifischer ökologischer Kenntnisse der Kartierer. "Geschikt": Habitat wird von spezialisierten Katierern als optimal eingeschätzt, "Matig geschikt": Habitat wird als mäßig geeignet eingeschätzt. Blau: Schlammpeitzger wurde mit eDNA gefunden, Rot: Schlammpeitzger wurde mit eDNA nicht gefunden (Herder et al. 2013e).

Abb. 2

Alle Stellen in den Niederlanden wo RAVON in den letzten Jahren eDNA-Proben gesammelt hat, die von SPYGEN analysiert worden sind.

Es konnte gezeigt werden, dass eDNA für seltene und schwierig aufzufindende Arten und auch für bestimmte invasive exotische Arten eine geeignete Metode ist. Für einfach zu findende Arten, wie Fadenmolch oder Bitterling, ist die klassische Feldarbeit aber einfacher und billiger.

Der nächste Schritt, den RAVON bereits anwendet, ist der Nachweis aller anwesenden Fisch- oder Amphibienarten aus nur eine Wasserprobe! Die Erfahrungen zeigen, dass es damit genau so gute oder bessere Ergebnisse gibt als mit den oft viel intensiveren traditionellen Feldarbeiten.

Um ein Eindruck zu geben von die große Artenvielfalt womit Erfahrungen gemacht sind, gibt es hier eine Liste von Arten wofür es eDNA-primers gibt:
Fische
Misgurnus fossilis
Acipenser baerii
(Exot)
Zingel asper (Exot)
Quappe (Lota lota)
Universäle Primers für Fischen (alle Fischarten zusammen aus eine Wasserprobe)
Amphibien
Pelobates fuscus
Triturus cristatus
Triturus carnifex
(Exot)
Lithobates catesbeianus (Exot)
Universäle Primers für Amphibien (alle Amphibienarten zusammen aus eine Wasserprobe)
Wirbellose
Leucorrhinia pectoralis
Aeshna viridis
Procambarus clarkii
(Exot)
Trichobilharzia
Säugetiere
Mustela putorius
Mustela lutreola
Neovison neovison
(Exot)
Neomys fodiens
Microtus oeconomus


Weiter lesen
Die Website www.environmental-dna.com (auch English) präsentiert eine gute Übersicht.
Auf die Seite mit nationalen und internationalen Publikationen gibt vor allem Herder et al. (2013a) eine kompakte Übersicht und Herder et al. (2014) ein sehr umfassendes Übersicht (auch English).

Die Niederlande:
Herder, J. E. (2011): Pilot environmental DNA grote modderkruiper. – Stichting RAVON. Rapport 2011-102.
Herder, J. E. (2013): Environmental DNA zet de knoflookpad terug op de kaart. – Schubben & Slijm15: 15.
Herder, J. E.; Valentini, A. & Kranenbarg, J. (2012a): Detectie van grote modderkruipers met behulp van environmental DNA. – H2O 3: 25-27.
Herder, J. E.; Valentini, A. & Kranenbarg, J. (2012b): Zoeken naar DNA-sporen. Environmental DNA als nieuwe bemonsteringsmethode voor vissen. – Visionair 23: 4-7.
Herder, J. E.; Van Delft, J. & Dejean, T., (2012c): Environmental-DNA – een nieuwe inventarisatiemethode. – RAVON 44: 32-38.
Herder, J. E.; Van Delft, J.; Bellemain, E. & Valentini, A., (2013a): Environmental DNA krachtig gereedschap voor het monitoren van fauna. – De Levende Natuur 114 (3): 108-113.
Herder, J. E.; Bekker, D.; Koelman, R. & Bellemain, E. (2013b.): Noordse woelmuis en waterspitsmuis beter in beeld - net eDNA op het goede spoor. – Zoogdier 24(2): 8-10.
Herder, J. E.; Kranenbarg, J.; A. de Bruin & Valentini, A. (2013c): Op jacht naar DNA – Effectief zoeken naar grote modderkruipers.
Herder, J. E.; Termaat, T. & Valentini, A. (2013d): Environmental DNA als inventarisatiemethode voor libellen, 2013 – Vlinders 2: 22-25.
Herder, J. E.; Kranenbarg, J.; de Bruin, A. & Valentini, A. (2013e): Op jacht naar DNA – Effectief zoeken naar grote modderkruipers. Visionair 28: 8-11.
Herder, J. E.; Valentini, A.; Bellemain, E.; Dejean, T.; Van Delft, J. J. C. W.; Thomsen, P. F. & Taberlet, P. (2014): Environmental DNA – toepassingsmogelijkheden voor het opsporen van (invasieve) soorten. – Stichting RAVON, Nijmegen. Rapport 2013-104.

International:
Ficetola, G.; Miaud, C.; Pompanon, F. & Taberlet, P. (2008): Species detection using environmental DNA from water samples. – Biol. Letters 4: 423-425.
Valentini, A.; Pompanon, F. & Taberlet, P. (2009): DNA barcoding for ecologists. – Trends in Ecology and Evolution 24: 110-117.
Valentini, A.; Miquel, C. & Taberlet, P. (2010): DNA Barcoding for Honey Biodiversity. – Diversity 2: 610-617.
Dejean, T.; Valentini, A.; Duparc, A.; Pellier-Cuit, S.; Pompanon, F.; Taberlet, P. & Miaud, C. (2011): Persistence of environmental DNA in freshwater ecosystems. – PLoS ONE 6(8): e23398. doi:10.1371/journal.pone.0023398.
Dejean, T.; Valentini, A.; Miquel, C.; Taberlet, P.; Bellemain, E. & Miaud, C. (2012): Improved detection of an alien invasive species through environmental DNA barcoding: the example of the American bullfrog Lithobates catesbeianus. – Journal of Applied Ecology 49(4): 953-959.
Thomsen, P. F., Kielgast, J.; Iversen, L. L.; Wiuf, C.; Rasmussen, M.; Gilbert, M. T. P.; Orlando, L. & Willerslev, E. (2012): Monitoring endangered freshwater biodiversity using environmental DNA. – Molecular Ecology 21: 2565–2573.

38/4 Untersuchungen mittels eDNA-Technik

zum Vorkommen von Knoblauchkröte und Kammmolch im NSG Lippeaue (Kreis Wesel)
von Johanna Siewers

Biologische Station im Kreis Wesel e. V.

Das Projekt „Knoblauchkröte und Kammmolch im NSG Lippeaue“ (2014) wurde vom Kreis Wesel und der NRW-Stiftung gefördert. Ziel war es, die noch in den Vorjahren festgestellten Vorkommen beider Arten in dem Naturschutzgebiet Lippeaue bei Damm/Bricht sowie weiteren (potentiell geeigneten) Gebieten im Kreis Wesel zu bestätigen.

Die Knoblauchkröte (FFH-Art, Anhang IV) stand aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes in NRW (LANUV NRW 2014) und als vom Aussterben bedrohte Art (Schlüpmann et al. 2011) im Fokus dieses Projektes. Die jüngsten Meldungen für den Kreis Wesel sind Nachweise von drei (2012) bzw. zwei (2013) Männchen am „Melkweg“ im NSG Lippeaue bei Damm/Bricht (Specht 2014), dem Schwerpunktvorkommen. 2008 wurden hier noch über 30 Rufer gezählt (Chmela & Kronshage 2011). Gegenwärtig ist nicht bekannt, welche Gewässer im Kreis Wesel von wie vielen Tieren besiedelt werden und ob überhaupt noch Reproduktion stattfindet. Neben der Knoblauchkröte wurde auch das Vorkommen des Kammmolches (FFH-Art, Anhang II, IV) untersucht, dessen Bestand in NRW und dem Niederrheinischen Tiefland als „gefährdet“ gilt (Schlüpmann et al. 2011). Aufgrund der sehr ähnlichen Laichhabitatansprüche, vegetations- und nährstoffreiche, besonnte und fischfreie Gewässer im Offenland, gilt der Kammmolch als häufige Begleitart der Knoblauchkröte (Chmela & Kronshage 2011).

Methode
Die Untersuchung beider Arten erfolgte mithilfe der Methode der eDNA-Analyse (environmental-DNA): Aus potentiellen Laichgewässern werden Wasserproben entnommen und auf darin enthaltene artspezifische DNA-Spuren (Hautzellen, Fäzes) untersucht, um so die Präsenz der Zielart zu bestätigen oder auszuschließen. Diese Methode ist unabhängig vom Geschlecht und Entwicklungsstadium und erfasst Tiere, die sich aktuell im Wasser aufhalten oder vor Kurzem aufhielten (bis zu drei Wochen). Der Vorteil liegt darin, dass ein sicherer Nachweis auch von schwierig zu erfassenden Arten sowie individuenarmen Populationen ohne direkte Sichtung, Verhören oder Fang erfolgen kann. Die Nachweiswahrscheinlichkeit dieser Methode liegt bei der Knoblauchkröte zwischen 75 und 100% (Herder et al. 2014; Herder 2013; Thomsen et al. 2012) und beim Kammmolch zwischen 91 und 99% (Biggs et al. 2014; Thomsen et al. 2012).

Bei dieser Untersuchung wurde aus jedem Gewässer eine Wasserprobe entnommen und mittels 12 Analysen dieser Probe auf das Vorhandensein von DNA getestet. Das Ergebnis dieser 12 Wiederholungen lässt eine Einschätzung der relativen Dichte zu: Wenn nur wenige der analysierten Proben DNA enthalten, so ist die Zielart zum Zeitpunkt der Beprobung nur in geringer Dichte im Gewässer vertreten. Bei hoher DNA-Konzentration ist entweder die Dichte der Tiere hoch oder aber die Probe wurde in unmittelbarer Nähe eines Tieres entnommen.

Eine Wasserprobe für die eDNA-Analyse besteht immer aus mindestens 20 Teilstichproben, die mithilfe einer Schöpfkelle an für die Art geeigneten Mikrohabitaten des gesamten Wasserkörpers entnommen (s. Abb. 1) und zu einer Gesamtprobe vermischt werden. Je Standort werden sechs Probengefäße (mit Pufferlösung) mit Wasser aufgefüllt und im Labor untersucht. Detaillierte Informationen zu dieser Methode sind im Internet unter www.environmental-dna.nl/ en-us/environmentaldna.aspx zu finden.

Die eDNA-Analyse wurde in der 1. Juniwoche 2014 durchgeführt. Probennahme und Auswertung erfolgte durch Stichting RAVON, Nijmegen und die eDNA-Analyse durch SpyGen.
Neben der eDNA-Analyse wurden die Gewässer mit Nachweisen seit 2009 im April 2014 mittels Unterwassermikrofon („DolphinEar“) untersucht, um ggf. rufende Männchen zu erfassen.

Die Auswahl der 30 Gewässer im Kreis Wesel richtete sich nach folgenden Kriterien:
1. Bekanntes Vorkommen der Knoblauchkröte,
2. im direkten Umfeld bekannter Vorkommen,
3. historisch bekannte Vorkommen und
4. potentiell geeignete Gewässer.
Aufgrund der aktuellen Nachweise der Knoblauchkröte im Schwerpunktgebiet NSG Lippeaue wurden hier mit 19 Gewässern die meisten Standorte untersucht. Es handelt es sich vorwiegend um Altarme und künstlich angelegte Artenschutzgewässer. Hinzu kamen Gewässerstandorte im NSG Bislich-Vahnum (1 Gewässer), NSG Droste Woy (2 Gewässer), Raum Diersfordt (3 Gewässer), NSG Ossenberger Schleuse (3 Gewässer) und NSG Orsoyer Rheinbogen (2 Gewässer).

Zusätzlich zur Ermittlung der Bestandssituation erfolgte an 14 Gewässern im NSG Lippeaue die Kartierung des Wasser- und Landlebensraums sowie die Messung der Wasserstände und die Analyse der Wasserchemie, um die Habitatsituation für die Knoblauchkröte einschätzen zu können. Die Habitatqualität wurde gemäß der ABC-Bewertungsmatrix der Knoblauchkröte (LANUV NRW 2010) kartiert und eingestuft.

Ergebnisse und Diskussion
Die eDNA-Analyse erbrachte für die 30 beprobten Gewässer keinen Nachweis der Knoblauchkröte. Auch das Verhören mittels Unterwassermikrofon führte zu keinem positiven Ergebnis. Hierbei ist zu bedenken, dass die Krötenrufe nur wenige Meter weit unter Wasser hörbar sind. Im Falle nur weniger rufender Männchen können diese leicht überhört werden.

Trotz der negativen Ergebnisse der Untersuchung können aktuelle Vorkommen der Knoblauchkröte im Untersuchungsgebiet nicht ausgeschlossen werden. Eine Fehleinschätzung der Bestandssituation ist bei einer einmaligen Beprobung des Gewässers denkbar, da die Tiere räumlich und zeitlich „verpasst“ werden könnten. Das Ausbleiben von Nachweisen kann zudem witterungsbedingte Gründe haben: Seit 2009 waren die Frühjahre in der Region überwiegend niederschlagsarm und die Sommer verregnet, verglichen mit dem langjährigen Mittel (www.hamminkeln-wetter.de). Es ist denkbar, dass die in den Vorjahren in der Lippeaue nachgewiesenen Tiere aufgrund der geringen Boden- und Luftfeuchtigkeit nicht zu den Gewässern gewandert sind. Aufgrund des verregneten Sommers haben die Knoblauchkröten womöglich erst im Juli/August zur Nebenlaichzeit die Gewässer aufgesucht und konnten bei der Beprobung Anfang Juni nicht erfasst werden. Knoblauchkröten können als ursprüngliche Steppenbewohner die ungünstige Witterung zur Laichzeit über einen längeren Zeitraum im Landlebensraum überdauern, um dann bei günstigen Bedingungen erst wieder zu den Laichgewässern zu wandern (Chmela & Kronshage 2011). In diesen Jahren kann es dann sogar zur Massenvermehrung kommen (Fischer 2008). Einige traditionelle Laichgewässer in der Lippeaue führten 2014 kein Wasser und konnten nicht beprobt werden (s. Abb. 2). Das (frühzeitige) Trockenfallen einiger Gewässer wird neben der ungünstigen Witterung auch von der Tiefenerosion der Lippe und Grundwasserabsenkung begünstigt. Der Mangel geeigneter Laichgewässer, das langjährige Ausbleiben der Reproduktion und die räumliche Isolation sind vermutlich die Hauptgründe für den steten Rückgang. Es ist fraglich, wie lange der ausbleibende Reproduktionserfolg der vermutlich kleinen und überalterten (?) Restpopulation(en) kompensiert werden kann. Wie die Ergebnisse der eDNA-Analyse auch interpretiert werden, es handelt sich im besten Fall um ein im Erlöschen befindlichen Vorkommen der Knoblauchkröte mit einem deutlichen Negativtrend für das gesamte Kreisgebiet. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Der Kammmolch wurde in 13 von 30 Gewässern (43%) mit relativ individuenstarken Dichten nachgewiesen, davon liegen acht Gewässer im NSG Lippeaue. Insgesamt kann von einer stabilen Kammmolch-Population in der Lippeaue ausgegangen werden, mit einer deutlichen Präferenz für fischfreie Kleinweiher. In dem jüngst noch von der Knoblauchkröte genutzten Laichgewässer am „Melkweg“ wiesen alle 12 Analysen der Wasserprobe DNA-Spuren des Kammmolches auf. Voruntersuchungen mit Eimerreusen bestätigen die hohe Abundanz des Kammmolches, dessen Vorkommen, insbesondere bei Paarungen der Knoblauchkröte in der Nebenlaichzeit, einen hohen Prädationsdruck auf letztere ausüben könnte: Im Juli/August halten sich neben der Knoblauchkröte zahlreiche juvenile und (sub)adulte Kammmolche in den Gewässern auf und könnten zu Verlusten von Laich (?) und Larven der Knoblauchkröte führen. Möglicherweise sind die im Gewässer befindlichen Käfer- und Großlibellen-Larven weitere Prädatoren der kleineren Knoblauchkröten-Larven (vgl. Specht 2014).

Abb. 1

Probennahme für die eDNA-Analyse durch RAVON im NSG Lippeaue bei Obrighoven (Juni 2014).

Abb. 3

Das Gewässer am "Melkweg" (April 2014).

Abb. 2

Eines der 2014 trocken gefallenen, traditionellen Laichgewässer der Knoblauchkröte im NSG Lippeaue, Nähe Lippealtarm (März 2014).

Die Habitatqualität gemäß ABC-Bewertung für die Knoblauchkröte im NSG Lippeaue kann als hervorragend bis gut bewertet werden. Die meist schon älteren Gewässer besitzen eine ausgeprägte submerse und emerse Vegetation, Flachwasserzonen und eine ausreichende Besonnung. Die Trophie kann vorwiegend als eutroph eingestuft werden. Im Gebiet sind wärmebegünstigte, offene Sandmagerrasen, Wiesen und Weiden auf lockerem, grabfähigen Auengley und Niedermoortorf zu finden. Landwirtschaftliche Nutzflächen, wie Spargelfelder, stellen geeignete Überwinterungshabitate im Gewässerumfeld dar.

Dem Verlust der traditionellen Laichgewässer durch frühes Trockenfallen muss dringend entgegengewirkt werden. Die geplanten Habitatverbesserungen, wie Neuanlage von Gewässern, Reduzierung der Beschattung und Verlandung, kommen beiden Arten gleichermaßen zugute und sollen 2016 umgesetzt werden. Auch die Wiederansiedlung der Knoblauchkröte ist angedacht.

Literatur
Biggs, J.; Ewald, N.; Valentini, A.; Gaboriaud, C.; Griffiths, R. A.; Foster, J.; Wilkinson, J.; Arnett, A.; Williams, P. & Dunn, F. (2014): Analytical and methodological development for improved surveillance of the Great Crested Newt (Defra Project No. WC1067). – Freshwater Habitats Trust, Oxford.
Chmela, C. & Kronshage, A. (2011): 3.8 Knoblauchkröte – Pelobates fuscus. In: Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. – Bielefeld (Laurenti): 543-582.
Fischer, C. (2008): Beobachtungen zur Phänologie, Abundanz und Habitatwahl einer Massenlaichgesellschaft der Knoblauchkröte, Pelobates fuscus, in der niedersächsischen Elbtalaue. – Rana, Sonderheft 5: 119-132.
Herder, J. E (2013): Environmental DNA zet de knoflookpad terug op de kaart. – Schubben & Slijm (15): 15.
Herder, J. E.; Valentini, A.; Bellemain, E.; Dejean, T.; van Delft, J. J. C. W.; Thomsen, P. F. & Taberlet, P. (2014): Environmental DNA – a review of the possible applications for the detection of (invasive) species. – Stichting RAVON, Nijmegen. Report 2013-104.
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (2010): ABC-Bewertung Knoblauchkröte NRW. – Online im Internet: http://www.naturschutz-fachinformationssysteme- nrw.de/ffh-arten/de/arten/gruppe/amph_rept/kurzbeschreibung/102328
Schlüpmann, M.; Mutz, T.; Kronshage, A.; Geiger, A. & Hachtel, M. unter Mitarbeit des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Kriechtiere und Lurche – Reptilia et Amphibia – in Nordrhein- Westfalen. In: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung. – LANUV-Fachbericht 36, Band 2: 159-222.
Specht, D. (2014): Untersuchungen zu den Vorkommen von Knoblauchkröten im NSG Lippeaue. – Rundbrief zur Herpetofauna von NRW (35): 21-28.
Thomsen, P. F.; Kielgast, J.; Iversen, L. L.; Wiuf, C.; Rasmussen, M.; Gilbert, M. T. P.; Orlando, L. & Willerslev, E. (2012): Monitoring endangered freshwater biodiversity using environmental DNA. – Molecular Ecology. doi: 10.1111/j.1365-294X.2011.05418.x
Internetquellen
www.environmental-dna.nl/en-us/environmentaldna.aspx
www.hamminkeln-wetter.de

Anschrift
Johanna Siewers, Biologische Station im Kreis Wesel e.V., Freybergweg 9, 46483 Wesel; E-Mail: siewers (et) bskw . de

38/5 Vergleich der Effektivität von Fallen

zur Erfassung von Wassermolchen in ausgewählten Duisburger Gewässern, unter besonderer Berücksichtigung des Kammmolches (Triturus cristatus Laurenti, 1768)

Beitrag von Janina Pagel
Hochschule Bremen & Biologische Station Westliches Ruhrgebiet

Einleitung
Während der vergangenen Jahrzehnte wurden für die Erfassung von Amphibien zahlreiche Wasserfallen entwickelt, die sich sowohl in Form und Größe sowie Anzahl ihrer Reusenöffnungen, als auch in ihrer Einsetzbarkeit im Gewässer und der Effektivität bei der Amphibienerfassung unterscheiden. Im Rahmen der Monitoringprogramme der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) wird der Einsatz von Wasserfallen zur Amphibienerfassung immer wichtiger.
Im Rahmen einer Masterthesis an der Hochschule Bremen wurden anhand von Freilanduntersuchungen vier verschiedene Typen von Wasserfallen auf ihre Effektivität bezüglich ihrer Fangleistung von Wassermolchen getestet und die Ergebnisse miteinander verglichen. Eingesetzt wurden Flaschenreusen, Eimerreusen, Unterwasserflaschenreusen und die neuartige Dewsbury Newt Box (Beutelfalle). Weiterhin wurden getestet, ob sich der Einsatz einer Lichtquelle bei der Molcherfassung auf die Fängigkeit von Eimerreusen auswirkt. Um feststellen zu können, wie viele Molche den Fallentypen auch wieder entkommen können wurde ein Experiment (Nr. 1) durchgeführt. In einem weiteren Experiment (Nr. 2) wurden die Freilanduntersuchungen nachgestellt. Beide Experimente wurden in einer künstlich geschaffenen Umgebung durchgeführt.
Um Aussagen über die Populationsgrößen der Kammmolche treffen zu können, sind Fang-Wiederfang-Ereignisse unerlässlich. Bei Fang-Wiederfang-Ereignissen werden gefangene Tiere markiert und wieder ausgesetzt. Anhand der Markierung lassen sich wiedergefangene Tiere beim nächsten Fangereignis wiedererkennen. Kammmolche sind leicht anhand ihrer individuellen Bauchmuster zu individualisieren (Schlüpmann & Kupfer 2009). In der Literatur sind unterschiedliche Methoden zur Populationsgrößenschätzung bekannt. Allerdings ist für Amphibien nur die Jolly-Seber-Methode (Jolly 1965, Seber 1965) empfehlenswert, da diese für offene Populationen angewendet wird. Sie berücksichtigt neben An- und Abwanderungen der Molche auch Geburten und Todesfälle. Im Gegensatz dazu gehen die Petersen-Lincoln-Methode (Lincoln 1930, Pollock et al. 1990, Pollock 1991, Nichols 1992) oder die Schnabel-Methode (Schnabel 1938) von geschlossenen Populationen aus (vgl. auch Ortmann 2009).

Untersuchungsgebiet
Untersucht wurden drei Gewässer im Stadtgebiet von Duisburg. Zwei Gewässer befinden sich im Naturschutzgebiet (NSG) Holtumer Höfe in Duisburg-Mündelheim. Das Gewässer 1 (HH1) liegt im Süden des NSG, umfasst eine Fläche von ca. 0,5 ha und hat eine Wassertiefe von ca. 60 cm (Jäckel 1981). Das Gewässer 2 (HH2) liegt im Nordwesten des NSG, umfasst eine Fläche von ca. 0,4 ha und hat eine Wassertiefe von ca. 1 m (Jäckel 1981). Die Wasserstände beider Gewässer schwanken stark. Das dritte untersuchte Gewässer befindet sich in Duisburg-Baerl (Gemarkung Baerl, Flur 14, Flurstück 2) und umfasst eine Fläche von ca. 0,05 ha. Auch hier schwankt der Wasserstand stark.

Im Vorfeld der Untersuchungen wurden, in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet, 36 Flaschenreusen (nach Griffiths 1985; modifiziert nach Schlüpmann 2007, 2009, 2014), 9 Unterwasserflaschenreusen (nach Berger 2000; vgl. auch Schlüpmann 2014), 12 Eimerreusen (je 15 Liter Eimer, je 5 Reusenöffnungen) (nach Ortmann 2009; vgl. auch Schlüpmann 2007, 2009, 2014) und 7 Beutelfallen (nach Vorlage von zwei Originalfallen von David J. Dewsbury; von der Hochschule Bremen zur Verfügung gestellt) angefertigt. Für die Beleuchtung der Eimerreusen wurden 176 gelbe Knicklichter eingesetzt (Firma Kontor 3.11 GmbH; Art.-Nr.: 2104R [ArmKNIXS 100 Stk. Gelb], Größe [mm]: 200 L x 5 H x 5 B).

Material und Methoden
Die Bestandsaufnahmen fanden an HH1 in der Zeit vom 02.04.14 bis 11.04.14 statt, an HH2 vom 12.04.14 bis 22.04.14 und in Baerl vom 06.05.14 bis 15.05.14.
Für die Experimente wurden 3 transparente Plastikboxen (Volumen: 2 mal 130 L, 1 mal 145 L) verwendet, welche mit Kies und Pflanzen ausgestattet wurden. In jede Box wurde ein Fallentyp eingesetzt. 42 Molche (6 männliche Kammmolche, 24 männliche Teichmolche, 12 weibliche Teichmolche), die am letzten Fangtag dem Gewässer HH2 entnommen wurden, wurden auf die Boxen verteilt. Die Experimente fanden in der Zeit vom 24.04.2014 bis 09.05.2014 statt. Um festzustellen, wie viele Molche den Fallentypen entkommen können, wurden die Molche jeden Morgen in die Fallen hineingesetzt und am Abend kontrolliert, wie viele Molche den Fallen entkommen konnten. Für die unbeleuchtete Eimerreuse (Eu) und die Beutelfalle (B) ergaben sich je 12 Stichproben, für die Flaschenreuse (F) (ausgelegt als Dreiergruppe) 24 Stichproben. Zur Nachstellung der Freilanduntersuchungen wurden jeden Abend die noch in der Falle verbliebenen Molche des ersten Experiments diesen entnommen und außerhalb der Fallen in die Boxen gesetzt. Am nächsten Morgen wurde kontrolliert, wie viele Molche mit den Fallen gefangen wurden. Für Eu und B ergaben sich je 12 Stichproben, für F 24 Stichproben, für die beleuchtete Eimerreuse (Eb) 12 Stichproben und für Unterwasserflaschenreusen (U) 24 Stichproben.
Die Reusenöffnung der Beutelfalle hat eine andere Form und Größe und ist daher über Berechnung der Aktivitätsdichte nicht mit den anderen Fallen direkt vergleichbar. Deswegen wurde die Anzahl gefangener Molche auf einen Quadratzentimeter umgerechnet, für je 100 Reusenöffnungen (vgl. Drechsler et al. 2010). Die Fläche der äußeren Reusenöffnung aus einer 1,5 Liter Mehrweg-PET-Flasche beträgt 56,7 cm2, die der Beutelfalle 72,0 cm2.
Die Schätzung der Populationsgrößen der Kammmolche erfolgte mit der Jolly-Seber-Methode (Jolly 1965, Seber 1965).

Ergebnisse
Insgesamt wurden mit allen eingesetzten Wasserfallen und an allen untersuchten Gewässern 6.736 Molche gefangen, die meisten davon in Baerl (n = 4.393), gefolgt von HH2 (n = 1.225) und HH1 (n = 1.118). Neben 767 Kammmolchen (Triturus cristatus) wurden 5.963 Teichmolche (Lissotriton vulgaris) sowie 6 Bergmolche (Mesotriton alpestris) gefangen. Der Bergmolch kam nur in Baerl vor, die Kamm- und Teichmolche an allen Gewässern.
Bezogen auf die Flächengröße einer Reusenöffnung erzielte B insgesamt eine signifikant bzw. sehr signifikant höhere Fangleistung (6,3 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen) im Vergleich zu den Fallentypen F (3,7 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen; P < 0,01**), Eu (3,3 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen; P < 0,05*) und U (2,41 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen; P < 0,01**). Zwischen B und Eb (3,5 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen; P > 0,05) gab es keinen signifikanten Unterschied. Signifikante Unterschiede zwischen allen anderen Fallentypen gab es nicht.

Auch in Bezug auf Kamm- und Teichmolche erreichte B die höchsten Fangzahlen (Tab. 1). Die signifikanten Unterschiede sind den Abb. 1 und 2 zu entnehmen.

Tab. 1: Gefangene Kamm- (Triturus cristatus) und Teichmolche (Lissotriton vulgaris) in Bezug auf die Flächengröße einer Reusenöffnung, zusammengefasst für alle Gewässer. Die Werte pro cm2 entsprechen je 100 Reusenöffnungen. Eu = Eimerreuse unbeleuchtet (Fläche Reusenöffnung = 56,7 cm2), Eb = Eimerreuse beleuchtet (Fläche Reusenöffnung = 56,7 cm2), F = Flaschenreuse (Fläche Reusenöffnung = 56,7 cm2), U = Unterwasserflaschenreuse (Fläche Reusenöffnung = 56,7 cm2), B = Beutelfalle (Fläche Reusenöffnung = 72,0 cm2).

Abb. 1

Kastendiagramm (Box-Whisker-Plot) der durchschnittlichen Anzahl gefangener Kammmolche (Triturus cristatus) pro cm2 (je 100 Reusenöffnungen), zusammengefasst für alle Gewässer. Der Kasten entspricht den mittleren 50 % der Daten, die Grenze zwischen dem grünen und blauen Bereich dem Median. Der Bereich innerhalb der Antennen entspricht den mittleren 95 % der Daten. Die roten Kreuze markieren die Ausreißer. Mit dargestellt wird das Ergebnis des H-Tests (P < 0,001*** = hoch signifikant). Eu = Eimerreuse unbeleuchtet (1), Eb = Eimerreuse beleuchtet (1), F = Flaschenreuse (1), U = Unterwasserflaschenreuse (1), B = Beutelfalle (2); Fläche der Reusenöffnungen 1 = 56,7 cm²; 2 = 72,0 cm².

Abb. 2

Kastendiagramm (Box-Whisker-Plot) der durchschnittlichen Anzahl gefangener Teichmolche (Lissotriton vulgaris) pro cm2 (je 100 Reusenöffnungen), zusammengefasst für alle Gewässer. Der Kasten entspricht den mittleren 50 % der Daten, die Grenze zwischen dem grünen und blauen Bereich dem Median. Der Bereich innerhalb der Antennen entspricht den mittleren 95 % der Daten. Die roten Kreuze markieren die Ausreißer. Mit dargestellt wird das Ergebnis des H-Tests (P < 0,05* = signifikant). Eu = Eimerreuse unbeleuchtet (1), Eb = Eimerreuse beleuchtet (1), F = Flaschenreuse (1), U = Unterwasserflaschenreuse (1), B = Beutelfalle (2); Fläche der Reusenöffnungen 1 = 56,7 cm²; 2 = 72,0 cm².

Die insgesamt 767 gefangenen Kammmolche konnten anhand ihrer Bauchmuster als 567 Individuen identifiziert werden, davon 383 adulte Männchen, 175 adulte Weibchen und 9 Juvenile. Die geschätzte Populationsgröße für das Gewässer Baerl lag bei durchschnittlich 720 Kammmolchen, für HH1 bei 340 und für HH2 bei 64.
Während des Experiments 1 konnten nur 3 Molche B entkommen (arithmetisches Mittel = 0,25), 20 Molche Eu (arithmetisches Mittel = 1,67) und 24 Molche F (arithmetisches Mittel = 1,0). Gemessen an der Anzahl eingesetzter Molche entkamen im Durchschnitt nur 1,7 % B, 11,1 % Eu und 25,0 % F.
Während des Experiments 2 erzielte B (14,0 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen) hoch signifikant bessere Fangzahlen im Vergleich zu F (4,3 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen), U (3,2 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen), Eu (2,5 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen) und Eb (2,3 Molche/cm2 je 100 Reusenöffnungen). Eu und Eb unterschieden sich nicht signifikant.

Diskussion
Da die Beutelfalle der einzige Fallentyp war, der gegenüber allen anderen Fallentypen mit Ausnahme der beleuchteten Eimerreuse mindestens signifikant höhere Fangzahlen erreichte, scheint sie die effektivste Falle zu sein. Unterstützt wird diese Annahme durch die Ergebnisse des Experiments 2. Weiterhin sind hohe Einzelfänge möglich. So wurden einmal mit nur einer Falle 69 Molche gefangen. Für eine quantitative Erfassung von Kamm- und Teichmolchen ist die Beutelfalle empfehlenswert.

In keinem Fall gab es signifikante Unterschiede zwischen der beleuchteten und unbeleuchteten Eimerreuse. Dies bestätigt die Untersuchungen von Kröpfli et al. (2010), die bei ihrer Kammmolchuntersuchung identische Knicklichter verwendeten. Die gleichen Knicklichter wurden auch von Grayson & Row (2007) verwendet, jedoch untersuchten die Autoren den Grünlichen Wassermolch (Notophthalmus viridescens). Beckmann & Göcking (2012) wiederum verwendeten solargeladene Leuchtdioden weshalb ein direkter Vergleich mit diesen Untersuchungen nicht möglich war.

Die Jolly-Seber-Methode erfordert einen hohen Zeitaufwand und gute Wiederfangergebnisse, was vor allem bei kurzzeitigen Untersuchungen schwierig ist. Die errechneten Tagespopulationen unterlagen an allen drei Gewässern starken Schwankungen. Über die Genauigkeit der geschätzten Populationsgrößen der Gewässer HH1, HH2 und Baerl kann keine Aussage getroffen werden. Ähnliche Schlüsse zog auch Ortmann (2009), dessen Datengrundlage die der vorliegenden Arbeit noch weit übertraf.

Literatur
Beckmann, C. & Göcking, C. (2012): Wie die Motte zum Licht? Ein Vergleich der Fängigkeit von beleuchteten und unbeleuchteten Wasserfallen bei Kamm-, Berg- und Teichmolch. – Zeitschrift für Feldherpetologie 19: 67-78.
Berger, H. (2000): Erfahrungen beim Nachweis von Molchen mit einfachen Trichterfallen. – Jahresschrift für Feldherpetologie und Ichtyofaunistik in Sachsen 6: 111-116.
Drechsler, A., Bock, D., Ortmann, D. & Steinfartz, S. (2010): Ortmann’s funnel trap - a highly efficient tool for monitoring amphibian species. – Herpetology Notes 3: 13-21.
Grayson, K. L. & Roe, A. W. (2007): Glow Sticks as Effective Bait for Capturing Aquatic Amphibians in Funnel Traps. – Herpetological Review 38 (2): 168-170.
Griffiths, R. A. (1985): A simple funnel trap for studying newt populations and an evaluation of trap behavior in smooth and palmate newts, Triturus vulgaris and T. helveticus. – Herpetological Journal 1: 5-10.
Jäckel, U. (1981): Herpetologisches Gutachten: Untersuchungsgebiet: Rechtsrheinisches Stadtgebiet von Duisburg und der Ortsteil Baerl auf der anderen Rheinseite. – Unveröff. Gutachten im Auftrag der Stadt Duisburg. Duisburg. 81 S.
Jolly, G. M. (1965): Explicit estimates from capture-recapture models data with both death and immigration stochastic models. – Biometrica 52: 225-247.
Kröpfli, M., Heer, P. & Pellet, J. (2010): Cost-effectiveness of two monitoring strategies for the great crested newt (Triturus cristatus). – Amphibia-Reptilia 31: 403-410.
Lincoln, F. C. (1930): Calculating waterfowl abundance on the basis of banding returns. – United States Department of Agriculture 118: 1-4.
Ortmann, D. (2009): Kammmolch-Monitoring-Krefeld: Populationsökologie einer europaweit bedeutsamen Population des Kammmolches (Triturus cristatus) unter besonderer Berücksichtigung naturschutzrelevanter Fragestellungen. – Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, Leverkusen. 348 S.
Pollock, K. H. (1991): Modeling Capture, Recapture, and Removal Statistics for Estimation of Demographic Parameters for Fish and Wildlife Populations: Past, Present, and Future. – Journal of the American Statistical Association 86 (413): 225-238.
Pollock, K. H., Nichols, J. D., Brownie, C. & Hines, J. E. (1990): Statistical Inference for Capture-Recapture Experiments. – Wildlife Monographs 107: 3-97.
Schlüpmann, M. (2007): Erfahrungen mit dem Einsatz von Reusenfallen. – Rundbrief zur Herpetofauna von Nordrhein-Westfalen 32: 8-18. – Online im WWW unter: http://www.herpetofaunanrw.de/Rundbriefe/Rdbr32_Mai2007.pdf [21.01.2014].
Schlüpmann, M. (2009): Wasserfallen als effektives Hilfsmittel zur Bestandsaufnahme von Amphibien – Bau, Handhabung, Einsatzmöglichkeit und Fängigkeit. – In: Hachtel, M., Schlüpmann, M., Thiesmeier, B. & Weddeling, K. (Hrsg.): Methoden der Feldherpetologie. – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 15: 257-290.
Schlüpmann, M. (2014): Untersuchungen und Monitoring von Amphibien mit Wasserfallen aus einfachen Mitteln. – In: Kronshage, A. & Glandt, D. (Hrsg.): Wasserfallen für Amphibien: Praktische Anwendung im Artenmonitoring. – Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 77: 117-160.
Schlüpmann, M. & Kupfer, A. (2009): Methoden der Amphibienerfassung – eine Übersicht. – In: Hachtel, M., Schlüpmann, M., Thiesmeier, B. & Weddeling, K. (Hrsg.): Methoden der Feldherpetologie. – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 15: 7-84.
Schnabel, Z. E. (1938): The Estimation of Total Fish Population of a Lake. – The American Mathematical Monthly 45 (6): 348-352.
Seber, G. A. F. (1965): A note on the multiple-recapture census. – Biometrika 52: 249-259.

38/6 Das perfekte Laichgewässer

für Amphibien – Erfahrungen aus der Praxis

Beitrag von Markus Richter
NABU Niedersachsen

Die Neuanlage von Laichgewässern ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für Amphibien, ist doch der Mangel an geeigneten Reproduktionsgewässern in vielen Fällen die Ursache für den schlechten Zustand von Amphibienpopulationen. Im Rahmen des Projektes LIFE AMPHIKULT des NABU Niedersachsen e. V. wurden umfangreiche Erfahrungen mit der Neuanlage und Sanierung von Laichgewässern gesammelt. Der konzeptionelle Ansatz für ein „perfektes“ Laichgewässer sowie einige praktische Aspekte der Umsetzung sollen im Folgenden kurz dargestellt werden.

Das Projekt LIFE AMPHIKULT („Management und Vernetzung von Amphibien in der Kulturlandschaft Niedersachsens“) läuft seit Anfang 2010 unter Trägerschaft des NABU Niedersachsen in 20 Projektgebieten. Das Projektbudget von 1,068 Mio. € stammt zu 50 % aus dem Förderprogramm LIFE der Europäischen Union, die übrigen Mittel steuern das Land Niedersachsen, die Landkreise Diepholz, Vechta und Schaumburg sowie die Region Hannover bei. Nach einer Verlängerung um ein Jahr sollen bis Ende 2015 insgesamt etwa 350 Laichgewässer neu angelegt oder saniert werden. Daneben werden Maßnahmen zur Entwicklung von Landlebensräumen sowie zur Information und Kommunikation durchgeführt. Zielarten des Projektes sind Laub-, Moor- und Kleiner Wasserfrosch sowie Kreuz-, Wechsel- und Knoblauchkröte. Bis November 2014 waren 214 Gewässer in der Größe von 200 bis 4.000 m⊃2;; sowie 292 Kleinstgewässer von 1-10 m⊃2;; neu angelegt oder saniert worden. Durch die Einbindung der in den Projektgebieten tätigen Naturschutzorganisationen, die ebenfalls über langjährige Erfahrungen in der Gewässerneuanlage verfügen, stand ein umfangreicher Erfahrungsschatz im Bau von Gewässern zur Verfügung.

Bei der Planung der Laichgewässer wurde drei Aspekten besondere Beachtung geschenkt:

1. Die Gewässer sollen sich leicht erwärmen können. Das bedingt das Vorhandensein von Flachwasserzonen, auch bei unterschiedlichen Wasserständen, sowie die Abwesenheit beschattender Vegetation.

2. Die Gewässer sollen gelegentlich austrocknen, idealerweise alljährlich im August/September, wenn die Zielarten ihre Reproduktion abgeschlossen haben.

3. Der Pflegebedarf der Gewässer ist bereits bei der Planung zu berücksichtigen.

Zu 1.: Ausreichende Besonnung ist für die meisten der Zielarten wesentlich, damit sie ein Gewässer zur Fortpflanzung überhaupt annehmen. Hohe Wassertemperaturen beschleunigen zudem die Entwicklung von Laich und Larven und verringern somit die Zeit, in der diese der Prädation ausgesetzt sind. Durchgehende Böschungsneigungen von mindestens 1:5, besser 1:10, gewährleisten, dass auch bei wechselnden Wasserständen immer Flachwasserbereiche vorhanden sind. Eine Beschattung lässt sich einerseits durch die Standortwahl abseits vorhandener Gehölze vermeiden. Andererseits finden sich an den offenen Böschungen neu angelegter Gewässer oft sehr rasch Gehölzkeimlinge ein, die in wenigen Jahren ein Gewässer ungeeignet machen können. Hier ist von vornherein die Notwendigkeit von Pflegemaßnahmen einzuplanen (s. 3.), um das Aufwachsen der Gehölze zu verhindern.

Zu 2.: Ein regelmäßiges Trockenfallen reduziert oder eliminiert Fressfeinde von Laich und Larven, wie Fische, Großlibellenlarven u.a. In dauerhaft wasserführenden Gewässern ist die Ansiedlung von Fischen häufig nicht zu vermeiden, eine Beseitigung von Fischen nur mit sehr großem Aufwand, wenn überhaupt, möglich. Temporäre Gewässer können in niederschlagsarmen Jahren zu früh für eine erfolgreiche Reproduktion trockenfallen. Einzelne Ausfalljahre sind aber eher zu verkraften, als das vollständige Ausfallen der Reproduktion durch Fischbesatz.

Abb. 1

Sehr flache Böschungsneigungen und volle Besonnung sorgen für warmes Wasser. An diesem Gewässer reproduzieren Kreuzkröte und Laubfrosch sowie fünf weitere Arten.

Zu 3.: Kleingewässer sind grundsätzlich pflegeabhängige Lebensräume. Vollständiges Zuwachsen durch Schilf, Rohrkolben und/oder Gehölzen kann neu angelegte Gewässer innerhalb weniger Jahre ungeeignet machen. Das allgemein hohe Nährstoffniveau der Landschaft beschleunigt die Prozesse des Zuwachsens und der Verlandung. Gerade die wertvollen Flachwasserbereiche sind davon besonders betroffen. Durch das Einbeziehen der Gewässer in extensive Weidesysteme kann diesen Prozessen schonend und wirkungsvoll begegnet werden. Auch mechanische Methoden, wie Mahd der Ufervegetation, Ausziehen von Gehölzkeimlingen oder Rückschnitt von Gehölzen, sind geeignete, aber aufwendigere Methoden. In jedem Fall sollte die Pflegenotwendigkeit bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Viele gut gemeinte Gewässerneuanlagen haben keinerlei Wirkungen für gefährdete Amphibienarten erzielt, da die Pflegenotwendigkeit nicht bedacht wurde und von den Gewässern nach wenigen Jahren nur Rohrkolbensümpfe oder Weidengebüsche übriggeblieben sind. Die Intensität der Pflege entscheidet auch wesentlich über Eignung für die unterschiedlichen Zielarten. Für Kreuz- und Wechselkröte, die Gewässer mit Offenboden bzw. geringer Vegetationsdeckung bevorzugen, ist ein entsprechend höherer Pflegeaufwand erforderlich.

Abb. 2

Trocknen Gewässer nach Ablauf der Reproduktion aus, werden Fische und andere Fressfeinde von Laich und Larven ferngehalten (22 August 2013).

Abb. 3

Wo immer möglich, wurden die Gewässer von LIFE AMPHIKULT auf beweideten Flächen angelegt. Die Weidetiere sorgen für eine schonende und kostengünstige Pflege.

Bei den Maßnahmenflächen des Projektes LIFE AMPHIKULT handelt es sich ganz überwiegend um vorhandene Naturschutzflächen in öffentlichem Eigentum. Diese wurden in der Regel für andere Schutzziele, z.B. den Wiesenvogelschutz, erworben. Teilweise handelt es sich auch um Ausgleichsflächen für Eingriffe, wobei die Gewässeranlagen zusätzlich zu den auf den Flächen liegenden Kompensationsverpflichtungen erfolgten.

Bei der Planung eines Gewässers war zunächst die hydrologische Situation der Maßnahmenfläche bzw. der Typ des entstehenden Gewässers zu klären. Als wichtigste Typen sind Grund- und regenwassergespeiste Gewässer zu unterscheiden. Bei grundwassergespeisten Gewässern folgt der Wasserstand des Gewässers in etwa dem Grundwasserstand. Um das gelegentliche Trockenfallen des Gewässers zu gewährleisten, wird als Aushubtiefe der Tiefststand des Grundwassers im Spätsommer, ermittelt durch eine Probegrabung, ermittelt. Je nach Grundwasserverhältnissen und Bodenart betrug die Aushubtiefe bei den AMPHIKULT-Gewässern zwischen 60 und 180 cm.

Regenwassergespeiste Gewässer entstehen in abflusslosen Senken über wasserstauenden Schichten. Ihre Wasserführung wird stark von der Größe des Einzugsgebiets bestimmt, aus dem das Wasser in die Senke zusammenläuft. Die Wasserführung ist damit stärker vom Witterungsverlauf abhängig als die der grundwassergespeisten Gewässer und somit schwieriger planbar. Damit bei verschiedenen Witterungsverläufen dennoch immer Gewässer mit ausreichender Wasserführung vorhanden sind, empfiehlt es sich, mehrere Gewässer mit unterschiedlichen Tiefen im räumlichen Verbund anzulegen.

Auch bei Gewässersanierungen ist die Unterscheidung zwischen grund- und regenwassergespeisten Gewässern wesentlich. Die Wasserführung eines grundwassergespeisten Gewässers kann durch Vertiefen verbessert werden. Wird ein regenwassergespeistes Gewässer vertieft, kann dabei die wasserstauende Schicht durchstoßen werden, was die Wasserführung verschlechtert.

Verschiedene weitere Aspekte waren bei der Planung zu berücksichtigen:

In Überschwemmungsgebieten der Flussauen unterliegen Gewässeranlagen häufig besonderen Auflagen. Zur Sicherung des Retentionsraumes für Hochwässer ist oft die Ablagerung des Aushubs vor Ort nicht erlaubt. Eine Abfuhr des Bodens aus dem Überschwemmungsgebiet kann jedoch die Gewässeranlage schnell dramatisch verteuern. Hier wurde frühzeitig mit den zuständigen Wasserbehörden nach Lösungen gesucht.

Auf Versorgungsleitungen im Boden musste in zahlreichen Fällen besondere Rücksicht genommen werden. Baumaßnahmen einschließlich der Ablagerung des Aushubs im direkten Umfeld der Leitungen sind in der Regel nicht zulässig. Aber auch wenn nur die Trasse der Leitung bei der Anfahrt der Baumaschinen gekreuzt wird, sollte vorab unbedingt mit den Leitungsbetreibern Kontakt aufgenommen werden. Eine Markierung der Leitungstrasse im Gelände sowie die Einweisung der Baufirma werden in aller Regel von den Leitungsbetreibern kurzfristig und kostenfrei durchgeführt.

Das Thema Altablagerungen/Altlasten ist besonders bei der Wiederherstellung ehemaliger Gewässer von Belang. In vergangenen Jahrzehnten sind Kleingewässer häufig mit Abfall verschiedenster Arten verfüllt worden. Dieser muss bei einer Wiederherstellung des Gewässers ordnungsgemäß entsorgt werden, was ganz erhebliche Kosten verursachen kann. In der Regel ist selbst die Erkundung eines Altlastenverdachtsstandorts teurer als eine einfachere Gewässerneuanlage an einem unbelasteten Standort.

Auch im Bezug zu möglichen archäologischen Fundstätten empfiehlt sich eine frühzeitige Recherche und im Zweifelsfall eine Verschiebung des Gewässerstandorts.

Drainagen finden sich an grundwassernahen Standorten sehr häufig unter landwirtschaftlich genutzten Flächen. Soweit der Flächeneigentümer/-nutzer keine Auskunft erteilen kann, ist eine Kontrolle der angrenzenden Gräben auf einmündende Drainagen nach stärkeren Niederschlägen sinnvoll. Oft werden Drainagen aber erst bei den Baggerarbeiten entdeckt. Werden diese bei der Gewässeranlage angeschnitten, können sie eine unerwünschte Entwässerungswirkung entfalten. Es empfiehlt sich dann, die Drainagen auf einigen Metern Strecke vollständig mit dem Bagger auszubauen und die dabei entstehenden Gräben sorgfältig zu verfüllen. Eine Außerbetriebsetzung von Drainagen ist aber in jedem Fall mit dem Flächeneigentümer abzustimmen.

Die Frage, ob eine Genehmigungspflicht für Kleingewässerneuanlagen besteht und welche Unterlagen für einen Genehmigungsantrag einzureichen sind, stellt sich bei jeder Maßnahme neu. Nach den Erfahrungen des Projektes AMPHIKULT kann hierzu keine pauschale Antwort gegeben werden. Die Anforderungen der verschiedenen Wasserbehörden sind durchaus unterschiedlich. Es empfiehlt sich in jedem Fall frühzeitig mit der zuständigen Behörde Kontakt aufzunehmen und Art und Umfang der einzureichenden Unterlagen abzuklären. Zu beachten ist dabei, dass die Bearbeitung eines Antrags mindestens fünf Wochen, oft aber sehr viel länger dauert. Auch werden häufig Genehmigungsgebühren fällig. Auch über deren Höhe lässt sich keine pauschale Aussage treffen, in manchen Fällen wurde auf Antrag von einer Gebührenerhebung ganz abgesehen.

Eine genauere Planung einer Gewässerneuanlage hinsichtlich Tiefe, Größe, Böschungsneigung und Verbleib des Aushubs liefert auch die notwendigen Daten für eine Preisabfrage bei den Tiefbaufirmen. Im Verlauf des Projektes AMPHIKULT zeigte sich, dass ein gewisser Aufwand bei der Suche nach einer geeigneten Firma sowie bei der Durchführung einer Ausschreibung bzw. Preisabfrage lohnt. Das Ausheben einer Vertiefung im Boden mit dem Bagger erscheint zwar relativ einfach, es zeigt sich aber, dass hierzu doch ein gewisses Know-how erforderlich ist, insbesondere auf grundwassernahen Standorten. Oft verfügen eher kleinere Firmen über die entsprechende Erfahrung und bieten ihre Leistungen meist zu deutlich günstigeren Preisen an, als z.B. große Straßenbaufirmen. In jedem Fall sollten Preise immer bei mehreren Firmen angefragt werden. Preisdifferenzen von 100% zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter sind nicht ungewöhnlich, gelegentlich liegen die Angebotspreise noch deutlich weiter auseinander.

Der Verbleib des Aushubs ist ein wesentlicher Aspekt der Planung. Eine Abfuhr sollte aus Kostengründen möglichst vermieden werden. Im Optimalfall lassen sich damit Sommerlebensräume und/oder Winterquartiere gestalten. Auf Wiesen ist ein Einplanieren mit anschließender Einsaat erforderlich.

Weitere Informationen zum Thema finden sich auf der Internetseite des Projektes www.life-amphikult.de unter Aktuelles/Seminar am Dümmer „Anlage und Pflege von Amphibienlaichgewässern“

Literatur
Richter, M., Müller, M. & Buschmann, H. (2011): Das Amphibienschutzprojekt LIFE AMPHIKULT des NABU Niedersachsen. - RANA 12: 51-56.
Richter, M. & Buschmann, H. (2013): 300 Teiche für Niedersachsen – das LIFE-Projekt AMPHIKULT. - Mertensiella 19: 174-177.

Anschrift: Dr. Markus Richter (Projektmanager), NABU Niedersachsen, Alleestraße 36, 30167 Hannover; Tel: 05037 9685 371, Fax: 0511 91105-40, E-Mail: Markus.Richter@NABU-Niedersachsen.de

38/7 Stadt, Land, Molch – das Kammmolch-Projekt

Krefeld aus drei Perspektiven

Teil 1

Die Anfänge und heutige Maßnahmen

von Andrea Funke (Krefeld)
Stadt Krefeld, Fachbereich Grünflächen, Untere Landschaftsbehörde, 47792 Krefeld, Email: andrea.funke@krefeld.de

Die Anfänge des Kammmolch-Monitoring der Stadt Krefeld sind im Greiffenhorstpark im Stadtteil Linn angesiedelt. Diese historische Parkanlage liegt im nördlichen Teil des Untersuchungsgebietes, das sich über eine Fläche von ca. 300 ha über das Naturschutzgebiet Latumer Bruch, die Stadtgräben, den Greiffenhorstpark und das Wasserwerk „In der Elt“ erstreckt (s. Karte). Es handelt sich hierbei um ein Niederungsgebiet bestehend aus einer Altrheinschlinge mit einem verzweigten System an Rinnen und Donken.

Abb. 1

Kartenausschnitt Latumer Bruch. © Stadt Krefeld. Der Oberbürgermeister. Vermessungs- und Katasterwesen 2006.

Der Landschaftspark Greiffenhorstpark wurde um das Jahr 1830 im Auftrag der Krefelder Seidenhändlerfamilie de Greiff von dem Architekten Maximilian Weyhe angelegt. In den 20er Jahren ging der Landschaftspark schließlich in das Eigentum der Stadt Krefeld über. Im Rahmen der Europäischen Gartenschau (EUROGA 2000+) wurde ein Umbau der historischen Parkanlage geplant. Die Planung beinhaltete vor allem die Sanierung und Abdichtung des Grabensystems im Greiffenhorstpark, um eine dauerhafte Wasserbespannung des Grabensystems zu erzielen. Vor Beginn der Umbaumaßnahme im Frühjahr 2001 bestand diese Anlage aus einer naturnahen Parklandschaft mit extensiven Wiesen, ausgedehnten Gehölzbeständen und einem periodisch mehrjährig trocken fallendem Grabensystem.

Aufgrund von älteren Fundmeldungen zur Herpetofauna war zumindest bekannt, dass im Bereich des Greiffenhorstparks Amphibienvorkommen an Erdkröten (Bufo bufo) sowie im Bereich des Stadtgrabens an Teichmolchen (Triturus vulgaris) und im Wasserwerk „In der Elt“ an Kammmolchen (Triturus cristatus) existierten. Die Zufahrt zum Wasserwerk wurde daher zum Schutz der dort lebenden Amphibien als Sackgasse und nur auf den Wasserwerksverkehr begrenzt eingerichtet.

Da durch den Beginn der Baumaßnahme im zeitigen Frühjahr 2001 im Greiffenhorstpark mit einer Anwanderung von Amphibien in das Grabensystem zu rechnen war, wurde ein Amphibienfangzaun längs der Gräben aufgebaut. Die dort abgefangenen Tiere wurden registriert und in umliegende Gewässer umgesiedelt. Die Anzahl der am Fangzaun angewanderten Amphibien belief sich auf insgesamt 16.282 Tiere. Von den Froschlurcharten waren die Erdkröte mit 4.559, Wasserfrösche mit 591 Individuen und der Grasfrosch mit einem Individuum sowie von den Schwanzlurcharten der Teichmolch mit 5.112, der Kammmolch mit 4.390 und der Bergmolch mit 1.629 Individuen vertreten (s. Abb. 2). Im Spätsommer 2001 wurden weitere Amphibien im Bereich des Wasserwerks „In der Elt“ gefangen, da auf Anweisung der Bezirksregierung Düsseldorf dort zwei Anreicherungsbecken verfüllt werden mussten. Insgesamt 2.319 Amphibien, darunter 342 Kammmolche, 840 Bergmolche, 494 Teichmolche, 630 Wasserfrösche sowie 13 Erdkröten und 130 Fische (Moderlieschen und Dreistacheliger Stichling) sowie 1.308 Libellenlarven konnten umgesetzt werden.

Bei der vorgefundenen großen Zahl von zusammen fast 5.000 Tieren handelte es sich um die größte bekannt gewordene Kammmolchpopulation Deutschlands.

Der Kammmolch ist eine nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie europaweit streng geschützte Amphibienart. Aufgrund des Vorkommens dieser bedeutenden Kammmolchpopulation, verpflichtete sich die Stadt Krefeld ein langjähriges Monitoring des Kammmolches während und nach den Umbaumaßnahmen durchzuführen. Zusätzlich wurden von der Bezirksregierung Düsseldorf in Abstimmung mit der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW (LÖBF) bestimmte Auflagen bei der Sanierung der Parkanlage vorgeschrieben, z. B. die Durchführung der Gewässersanierung in Teilabschnitten und nicht en bloque, die Herausnahme des östlichen Bereichs des Grabensystems aus der Sanierung sowie der Stopp der geplanten Verlegung eines Weges in Ufernähe.

Neben dem massiven Eingriff in den Land- und Wasserlebensraum im Jahr 2001 sind der Kammmolch sowie die anderen Amphibienarten gleichzeitig noch anderen Bedrohungen ausgesetzt, hier z. B. durch den Einsatz bzw. die Einschleppung von Prädatoren (Flussbarsch etc.), durch intensive Pflegemaßnahmen auf dem Golfplatz, durch die Austrocknung der Gewässer im Greiffenhorstpark und Latumer Bruch bedingt durch Grundwasserabsenkung bzw. durch die geplante Rheinsohlenvertiefung sowie die geplante Trasse durch das Latumer Bruch zur Anbindung an den Krefelder Hafen.

Begleitend werden daher stetig Maßnahmen zur Wiederherstellung und Verbesserung des Lebensraumes durchgeführt, z. B. Wiedereinpflanzungen von Unterwasservegetation und Uferpflanzen, Äste als Laichhilfe für die Erdkröte, regelmäßige Abfischaktionen, Einsatz von Gabionen, Umwandlung einer angrenzenden Ackerfläche in Grünland, Schutz der Laichwanderung im Straßenabschnitt Kurkölner Straße, die Anlage von Totholzhaufen und Feldgehölzen, Vergitterung von Licht- und Kanalschächten und die Durchführung extensiver Pflegemaßnahmen. Auch hat das Land Nordrhein-Westfalen nachträglich das Latumer Bruch mit Buersbach, Stadtgräben und Wasserwerk als FFH-Gebiet an die Kommission der Europäischen Union gemeldet (siehe Beitrag von A. Geiger).

Das Monitoring des Kammmolches begann im Frühjahr 2001 mit der ersten Untersuchung während der Umsiedlung der Amphibien aus dem Grabensystems des Greiffenhorstparks. In den Jahren 2002 bis 2003 wurde dort der Bestand an Amphibien weiter kartiert, ausgewertet und entsprechende Pflege- und Schutzmaßnahmen ergriffen.

Die dem Monitoring aus den Jahren 2001 bis 2003 zugrunde liegenden Fangzahlen können der Tabelle „Fangzahlen 2001-2003“ entnommen werden. Da hierbei unterschiedliche Methoden eingesetzt wurden, sind die Werte nicht direkt miteinander vergleichbar. Es zeigt sich aber auf Grundlage der Prozentzahlen eine starke Verschiebung in der Artenzusammensetzung zugunsten der Erdkröte von 30 % (2001) auf 78 % (2002) und zuungunsten des Kammmolches von 31 % (2001) auf 10 % (2002) und des Teichmolches von 26 % (2001) auf 6 % (2002) bezogen auf Fangzaun (2001) und Fangzaunsegmente (2002). Der Vergleich der absoluten Zahlen 2001 bis 2003 beschreibt einen deutlichen Einbruch innerhalb der Amphibienpopulation.

Tab. 1: Gefangene Amphibien und Fische 2001-2003.

Abb. 2

Anzahl der im Frühjahr 2001 angewanderten Amphibienarten im Greiffenhorstpark.

Im Anschluss daran wurde ein Forschungs- und Entwicklungsvertrag zwischen der Stadt Krefeld, Fachbereich Grünflächen und dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn (Finanzierung: 80 % RP Düsseldorf, 20 % Stadt Krefeld) zum Monitoring des Kammmolches für die Jahre 2004 bis 2006 abgeschlossen. Die Ergebnisse des Monitorings von 2004 bis 2006 werden im dritten Teil der Vortragszusammenfassung von Herrn Daniel Ortmann dargestellt. Nach Beendigung des Vertrages ist es geplant, weiterhin Pflege- und Schutzmaßnahmen zum Aufbau und Stabilisierung der Kammmolchpopulation durchzuführen sowie das Monitoring im Zusammenhang mit der geplanten Ausweisung als FFH-Gebiet fortzusetzen.

Teil 2

Das FFH-Gebiet aus Landessicht

von Arno Geiger (Recklinghausen)
Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung u. Forsten NRW, Dez. Artenschutz/Vogelschutzwarte, Postfach 101052, 45610 Recklinghausen; Email: arno.geiger@loebf.nrw.de

Im Rahmen der EU-Kommissions-Forderung (Atlantisches Seminar in Den Haag, 05.06. und 07.06.2002) wurde für die atlantische biogeographische Region von NRW Nachmeldebedarf für die FFH-Anhang II-Art Kammolch gefordert. Mit dem Ergebnis, dass das MUNLV am 07.10.2002 die LÖBF mit der Erstellung einer abschießende Meldeliste beauftragte. Das NRW-Kabinett hat auf seiner Sitzung 06.11.2002 u. a. ein FFH-Lebensraum (FFH-Anhang I) und drei Gebiete für FFH-Arten nach Anhang II der FFH-RL an die EU gemeldet, darunter das NSG Latumer Bruch einschließlich Erweiterungen mit Großem Moorbläuling (Maculinea nausithous) und Kammmolch (Triturus cristatus) in der Stadt Krefeld. Abgrenzung und Beschreibung des FFH-Gebietes (DE 4605-301 Latumer Bruch mit Buersbach, Stadtgräben und Wasserwerk; Größe) können den Internetseiten zu Natura 2000 des Landes Nordrhein-Westfalen (www.natura2000.munlv.nrw.de) entnommen werden.

Das Gebiet repräsentiert einen typischen Ausschnitt der Rheinauenlandschaft mit auentypischen Lebensräumen innerhalb des Naturraums Mittlere Niederrheinebene. Es sind dies vor allem die Röhrichtbestände verlandeter nährstoffreicher Stillgewässer, Seggenriede, Feuchtgrünland-Flächen, feuchte Hochstaudenfluren, Auwaldreste und großflächige Bestände des nährstoffreichen Erlenbruchwaldes. Insbesondere der Nordteil des Gebietes beherbergt die größte bekannte Population des Kammmolchs in Deutschland. Für ihn sind die natürlichen eutrophen Gewässer im Latumer Bruch, aber gerade auch die älteren Abgrabungs- und Wassergewinnungs-Gewässer des Wasserwerks sowie die linearen Gewässersysteme des Linner Mühlenbachs und der Gräben um Burg Linn wichtige Lebensräume, die somit ebenfalls zu den wertgebenden Strukturen des Gebietes gehören. Der gesamte Gebietskomplex stellt zudem einen Teil-Lebensraum für die möglicherweise letzte bekannte Mega-Population des Großen Moorbläulings in diesem Naturraum dar. Die Buersbach und das Latumer Bruch mit seinem besonders gut erhaltenen, verzweigtem System aus Rinnen und Donken sind aufgrund ihrer stromtaltypischen Lebensraumausstattung hervorragende Beispiele für die Rheinauenlandschaft und ihre traditionellen Nutzungsformen.

Als Schutzziele und Maßnahmen wurden u. a. formuliert:
- Erhaltung und Entwicklung ihrer aquatischen und terrestrischen Lebensräume insbesondere der sonnenexponierten, tiefen, vegetationsreichen, permanent oder spät austrocknenden Laichgewässer, der umgebenden Grünlandflächen mit eingestreuten Hecken und Gehölzen als Sommerlebensraum sowie angrenzenden Waldflächen mit Stubben als Winterquartier.
- Vermeidung von Strukturveränderungen im Gesamthabitat (keine Rodung von Gehölzen und Stubben) sowie Erhaltung und Förderung einer extensiven Grünlandnutzun.
- Erhalt und Entwicklung von Wanderstrukturen mit Verbindung zu den Laichgewässern wie Waldsäume und andere bandförmige Biotoptypen (Raine, Gräben, Hecken).
- Zur Sicherung der Population sind die Gewässer zu erhalten und entsprechend der Bedürfnisse dieser Molchart zu entwickeln. Für ein ausreichendes Angebot an Landlebensräumen ist Sorge zu tragen.

Im Rahmen der Effizienzkontrolle von 2004-2006 sollte dokumentiert werden, inwieweit der Eingriff durch die Baumaßnahmen mittels geeigneter Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen kompensiert werden konnte und, ob weitere Optimierungen durchgeführt werden müssen.

Anhand einer einfachen FFH-Bewertungsmatrix kann derzeit die folgende Inwertsetzung dokumentiert werden (A = Hervorragend, B = Gut, C= Mittel bis schlecht):
- Habitatqualität: Komplex aus vielen Klein- und Kleinstgewässer und große Einzelgewässer, aber submerse/emerse Vegetation kaum vorhanden oder fehlend und problematisches Wasserregime = B
- Zustand der Population: > 500 adulte Tiere = A
- Beeinträchtigungen: Fischbestand, Freizeitnutzung, Isolation (z. B. monotone landwirtschaftliche Flächen oder Bebauung) = CGesamtwert (Erhaltungszustand) = B

Um die angestrebten Ziele zu erreichen, braucht man aber sehr viel mehr Zeit, als es die zunächst gedachten drei Jahre ermöglichen konnten. Die Weiterführung der Wirkungskontrollen soll daher angestrebt werden.

Teil 3

Das Kammmolchprojekt Krefeld aus Sicht der Molche

von Daniel Ortmann (Leverkusen)
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Adenauer Allee 160, 53113 Bonn, Am Kreispark 1, 51379 Leverkusen; Email:: ortmannda@hotmail.com

Insgesamt wurden von 2004-2006 an 26 Untersuchungsgewässern über 125.000 Nachweise von Amphibien getätigt (Abb. 1). In Abbildung 2 sind die geschätzten Populationsgrößen des Kammmolches vor (2001) und nach den Umbaumaßnahmen (2004-2006) dargestellt.

Abb. 1

Amphibiennachweise im gesamten Untersuchungsgebiet. (B= Bufo, R= Rana, M= Mesotriton, L= Lissotriton, T= Triturus)

Abb. 2

Geschätzte Populationsgrößen des Kammmolches vor (2001) und nach den Umbaumaßnahmen (2004-2006)

Die Populationen im NSG Latumer Bruch
Der Erhaltungszustand in diesem Teil des Untersuchungsgebietes ist als gut bis sehr gut zu bezeichnen. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass aufgrund der Grundwasserabsenkungen in den letzten Jahren, fünf ehemals potentielle Kammmolchgewässer zurzeit nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt für den Kammmolch nutzbar sind. Dieser Wegfall ehemaliger Laichgewässer erhöht den Isolationsgrad der bestehenden Gewässer und steigert das Aussterberisiko auch an den hiervon nicht betroffenen Gewässern (z. B. Mann et al. 1991).

In diesem Zusammenhang hat sich die Neuanlage von Gewässern seit 1986 als (geplanter) Glücksfall für die Kammmolche erwiesen. Alle heute noch bestehenden Populationen in diesem NSG befinden sich in neu angelegten Gewässern bzw. in künstlichen Vertiefungen der Altarme. Ohne diese Maßnahmen wäre der Kammmolch im Latumer Bruch vermutlich akut vom Aussterben bedroht. Die Anlage von Kleingewässern hat die Aussterbewahrscheinlichkeit der Kammmolchpopulation im Latumer Bruch in den nächsten 50 Jahren somit stark vermindert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass nur Gewässer, die eine hohe Eignung für den Kammmolch aufweisen (vgl. Oldham et al. 2000, Ortmann 2004), auch einen Beitrag zur Verbesserung des Erhaltungszustandes leisten können. Dies ist im vorliegenden Fall sehr gut gelungen.

Trotz dieser positiven Eindrücke ist anzumerken, dass sich nur in einem Gewässer eine große Population (>1000 Individuen) des Kammmolches aufhält. Alle anderen Gewässer weisen nur kleine bis mittlere Populationen auf, die durch bestimmte Faktoren beeinträchtigt werden.

Eine Neuanlage von Gewässern und zusätzliche Vertiefungen im Bereich des Stratumer Buschgrabens wären Maßnahmen, die unmittelbar Erfolg versprechen und die einen wichtigen Beitrag leisten den Erhaltungszustand des Kammmolches in diesem NSG und im gesamten FFH-Gebiet dauerhaft zu verbessern. Mittel- und langfristig führt die Neuanlage von Gewässern im Abstand einiger Jahre mit begleitenden Pflegemaßnahmen dazu, dass ein Verbund an Gewässern mit unterschiedlichen Sukzessionsstadien erhalten bleibt. Eine Mindestanzahl von sechs für den Kammmolch als Reproduktionsgewässer nutzbaren Gewässern ist eine Grundvoraussetzung, einen guten Erhaltungszustand der Kammmolchpopulationen in diesem Naturschutzgebiet langfristig zu gewährleisten.

Die Population auf dem Gelände der SWK Aqua GmbH
Auf diesem Gelände befanden sich bis Herbst 2001 vier Anreicherungsbecken mit zum Teil sehr großen Kammmolchpopulationen (s. Beitrag von A. Funke). Nach der Verfüllung zwei dieser Gewässer befinden sich aktuell eine sehr große und eine kleine Population an Kammmolchen auf diesem Gelände. Im Bereich der verfüllten Anreicherungsbecken befanden sich 2005 wahrscheinlich noch einige hundert adulte Kammmolche, die nicht zu den nahe gelegen Gewässern abgewandert sind. Diese Restpopulation wird in jedem Jahr kleiner werden und in absehbarer Zeit aussterben, sofern nicht in diesem Bereich neue Gewässer angelegt werden.

Die Population auf dem Linner Golfplatz
Auf dem Linner Golfplatz befindet sich zurzeit eine Population mittlerer Größe, die zudem in den drei Untersuchungsjahren kontinuierlich kleiner geworden ist. In Anbetracht der Tatsache, dass hier der überwiegende Teil der 2001 umgesiedelten Tiere eingesetzt wurde, muss man von einer akuten Bedrohung der Population sprechen. Eines der beiden Gewässer war während des Untersuchungszeitraumes, aufgrund des Besatzes mit nordamerikanischen Sonnenbarschen überhaupt nicht für Kammmolche geeignet. Verschiedene Maßnahmen, die den Beschattungsgrad und den Fischbesatz verringert haben, lassen hier für die nähere Zukunft Besserung erwarten. Es ist jedoch unerlässlich, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden und Erfolgskontrollen stattfinden. An dem anderen Gewässer hat sich zwar eine kleine bis mittlere Population angesiedelt, jedoch weist auch dieses Gewässer einige schwerwiegende Mängel auf. Diese liegen hauptsächlich im Landlebensraum begründet, der durch die massiven Pflegemaßnahmen durch den Golfplatzbetrieb beeinträchtigt wird.

Die Population im Greiffenhorstpark
Im Greiffenhorstpark befand sich im Jahre 2001 eine der größten bekannten Kammmolchpopulationen im gesamten Verbreitungsgebiet. Bedingt durch die Umbaumaßnahem im Rahmen der EURAGA 2002 Plus und die damit verbundenen Umsiedlungsmaßnahmen und vor allem die Veränderungen in der Habitatqualität haben sich katastrophal auf die Kammmolchpopulation in diesem Gebiet ausgewirkt. Zunächst wurden die Tiere in Gewässer umgesiedelt, die nicht oder nur begrenzt für Kammmolche geeignet waren. Auf keinen Fall waren sie ausreichend, um auch nur annähernd eine Zahl von mehreren tausend Kammmolchen zu beherbergen. Es ist fraglich, wie viele Individuen die Rückwanderung erfolgreich überstanden haben, von einer beträchtlichen Dezimierung muss jedoch ausgegangen werden. Anschließend fanden sie ein Gewässer vor, dessen wichtigste ökologische Parameter sich zu ungunsten des Kammmolches verändert hatten. Es ist sicher, dass bis 2004 keine Reproduktion des Kammmolches stattgefunden hat, wodurch die Restpopulation weiter dezimiert wurde. Glücklicherweise wurde der östliche Teil des Gewässers nicht umgebaut, sondern nur an zwei Bereichen als Naturschutzmaßnahme aufgrund niedriger Wasserstände vertieft. So konnte sich hier zumindest eine kleine Kammmolchpopulation halten, die seit den Abfischaktionen wieder im Wachstum begriffen ist.

Im vollständig umgebauten westlichen Teil fanden sich im Jahr 2004 überhaupt keine Kammmolche mehr. Durch verschiedene Maßnahmen hat sich die Situation zwar leicht gebessert, dennoch ist dieses Gewässer auch momentan nicht geeignet, um auch nur annähernd so viele Kammmolche wie vor den Umbaumaßnahmen zu beherbergen. Aus diesen Gründen muss man von einer akuten Bedrohung zumindest der Teilpopulation im westlichen Bereich sprechen. Auch die Population im östlichen Bereich ist weiterhin durch den Fischbesatz stark gefährdet. Nur weitere Befischungen mindestens alle zwei Jahre können ein Aussterben dieser Population verhindern.

Zusammenfassung
Nach Abschluss des Projektes ist zu konstatieren, dass der Erhaltungszustand des Kammmolches im Untersuchungsgebiet als kritisch zu bewerten ist. Zwar ist die Gesamtpopulation insgesamt als sehr groß zu bezeichnen, dennoch sind einige Faktoren zu Tage getreten, die das Überleben des Kammmolches im Gebiet erschweren.

Gleich an zwei Stellen im Untersuchungsgebiet, sind die Populationen extrem eingebrochen. Im Greiffenhorstpark haben sich die Umbaumaßnahmen katastrophal für die Kammmolche ausgewirkt, so dass die Population um mehrere tausend Tiere zurückgegangen ist. Auf dem Gelände der SWK Aqua GmbH hatte die Verfüllung zweier Anreicherungsbecken ähnlich drastische Auswirkungen, welche die Restpopulation nachhaltig geschädigt haben.

Zudem haben Verluste von Gewässern und Fischbesatz zu einer stärkeren Isolation der verbleibenden Populationen geführt. Um eine weitere Verschlechterung der Situation zu verhindern, ist die Anlage weiterer Gewässer, sowie Pflegemaßnahmen an den meisten der übrigen Gewässer erforderlich.

Dass ursprünglich festgeschriebene Ziel, die Erreichung eines guten Erhaltungszustandes und die Stabilisierung der Kammmolchpopulation ist noch lange nicht erreicht. Ein guter Erhaltungszustand im Greiffenhorstpark würde eine Population von mehreren Tausend Tieren, bei gleichzeitiger Gewährleistung dauerhaft günstiger Habitatbedingungen voraussetzen.

Literatur
Mann, W., Dorn, P. & Brandl, R. (1991): Local distribution of amphibians: the importance of habitat fragmentation. – Global Ecology and Biogeography Letters 1: 36-41.
Oldham, R. S., Keeble, J., Swan, M. J. S. & Jeffcote, M. (2000): Evaluating the suitability of habitat for the great crested newt (Triturus cristatus). In: Cummins, C. P. & Griffiths, R. A. (Ed.): Scientific Studies of the Great Crested Newt: Its Ecology an Management. – The Herpetological journal 10(4): 143-155.
Ortmann, D. (2004): Langzeitdynamik einer Kammmolchpopulation (Triturus cristatus) bei Bonn auf Basis individueller Wiedererkennung. – Diplomarbeit, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 141 S.

38/9 Erster Online-Atlas

der Amphibien und Reptilien Deutschlands

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) vom 27. August 2015

Rund 600.000 Einzeldatensätze für 33 heimische sowie 14 eingeschleppte Amphibien- und Reptilienarten, die einen bundesweiten Überblick über deren Verbreitung vermitteln. Das ist das Ergebnis eines Projektes, das die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz durchgeführt hat.
„Mit dem Online-Atlas steht nun eine umfassende und wichtige Datenbasis zur Verfügung, mit der Artenhilfsmaßnahmen gezielt entwickelt und durchgeführt werden können“, sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Dieses Projekt zeigt einmal mehr, dass der Naturschutz auf das Ehrenamt angewiesen ist. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Artenkennerinnen und Artenkennern gäbe es diesen Online-Atlas sicherlich nicht in der vorliegenden Form.“
Der Online-Atlas liefert nun – 18 Jahre nach dem Standardwerk der Amphibien und Reptilien Deutschlands von Rainer Günther – einen umfassenden Datenfundus für eine zukünftige Revision der Roten Listen der Amphibien und Reptilien Deutschlands und zeigt, welche Arten am häufigsten und welche besonders selten sind. Zu den sehr häufigen Arten zählen bei den Amphibien die Erdkröte und der Grasfrosch, bei den Reptilien Blindschleiche, Waldeidechse und Zauneidechse. Sehr selten ist bei den Amphibien der Alpensalamander, der seinem Namen entsprechend tatsächlich nur im Alpengebiet vorkommt. Bei den Reptilien sind fast die Hälfte der 13 Arten extrem selten, beispielsweise die Europäische Sumpfschildkröte, die Würfelnatter und die Aspisviper.
„Bestandsrückgänge, die mit einer Intensivierung der Landwirtschaft und einer Rekultivierung von Sekundärlebensräumen zusammenhängen, sind insbesondere bei der Knoblauchkröte und der Geburtshelferkröte zu verzeichnen. Bei den Reptilien sind die Bestände der Kreuzotter seit einiger Zeit stark rückläufig. Grund dafür sind vor allem Aufforstungen, Abtorfungen und Entwässerungen in Moorlebensräumen sowie eine zunehmende Fragmentierung ehemals zusammenhängender Waldgebiete“, bilanzierte Dr. Ulrich Schulte im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Feldherpetologie und Artenschutz der DGHT.
Der Verbreitungsatlas sowie das gesamte Projekt konnte nur in Zusammenarbeit mit zahlreichen Projektpartnern realisiert werden. Unter den insgesamt 32 Partnern befinden sich nicht nur Landesfachbehörden und Facharbeitsgruppen, sondern auch Verbände und Privatpersonen, die unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet und Daten gemeldet und geprüft haben. Die in vielen verschiedenen Dateien vorliegenden Einzeldatensätze wurden von 20 datenhaltenden Institutionen aus allen deutschen Bundesländern akquiriert und zusammengestellt. Die ältesten Angaben reichen bis ins Jahr 1749 zurück, die jüngsten stammen aus dem Jahr 2014.
Auch der Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW hat seine Daten zur Verfügung gestellt und wird das auch weiterhin tun!
Melden auch Sie ihre Funde!

Hintergrund
Der Online-Atlas bietet einen aktuellen bundesweiten Überblick zur Verbreitung der Amphibien und Reptilien in Deutschland – dies erstmals auch in der vierfach genaueren Auflösung von Messtischblattquadranten (exklusive naturschutzfachlich besonders sensibler Arten). Der Nutzer hat die Möglichkeit, Karten anzusehen und herunterzuladen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die aggregierten digitalen Daten (keine fundpunktscharfen Daten oder Ortsangaben) hinter den Karten in Tabellenform zu nutzen sowie sich in Form von Steckbriefen über die Arten zu informieren.
Die Informationen aus dem Atlas sind unter Angabe folgender Quelle weiter nutzbar:
DGHT e. V. (Hrsg. 2014): Verbreitungsatlas der Amphibien und Reptilien Deutschlands, auf Grundlage der Daten der Länderfachbehörden, Facharbeitskreise und NABU Landesfachausschüsse der Bundesländer sowie des Bundesamtes für Naturschutz.
Zum Atlas: www.feldherpetologie.de/atlas

Eigene Funde melden .....

38/8 Batrachochytrium salamandrivorans

eine neue Bedrohung für Salamander

Ein sehr starken Rückgang (um 96%) hat der Feuersalamander in den Niederlande am Rand des Aussterbens gebracht. In 2008 würden die ersten tote tieren gefunden und ab 2010 beobachteten wir ein starker Rückgang der Anzahl während des Monitorings. Der Grund der Rückgang war lange Unbekannt, bis in 2013 eine neue Chytridpilz entdeckt würde. Dieser pilz Batrachochytrium salamandrivorans tötet den Salamander schnell und hat ein anderer niche als die überal präsenten B. dendrobatidis. Die neue Pilz, die seine Ursprung hat in Asien, verbreitet sich schon über Europa. Vor kurzem ist bekannt geworden das auch die Europaische Molchen empfindlich sind für die Pilz. Presentiert sind die neuesten Ergebnisse der Monitoring und die Massnahmen die genommen sind um weitere verbreitung der Pilz vor zu beugen.

Wilbert Bosman & Annemarieke Spitzen

38/10 Aufruf zur Meldung von Wasserfröschen

Teichfrosch-Pärchen

Teichfrosch-Pärchen bei Kattenvenne

Masterarbeit: Untersuchungen zur Wasserfroschgruppe im Münsterland
Die einzelnen Wasserfroschformen (Kleiner Wasserfrosch, Seefrosch, Teichfrosch) werden bei Amphibien-Kartierungen nur selten getrennt aufgenommen. Oft wird die Gruppe stattdessen generell als Wasserfroschkomplex angesprochen. Das liegt an der Hybridisierung der Elternarten (Seefrosch und Kleiner Wasserfrosch), woraus der Teichfrosch entsteht, der in seinem Aussehen stark variieren kann, was die Bestimmung und Abgrenzung zu den beiden Elternarten erschwert.
Durch diese fehlende Artansprache gibt es eine große Wissenslücke über die Verbreitung der einzelnen Arten, was besonders für die FFH-Art, den Kleinen Wasserfrosch (Pelophylax lessonae), von großem Nachteil ist, denn eine Art kann nur dann effizient geschützt werden, wenn man weiß wo sie vorkommt.
Ziel dieser Masterarbeit ist es u. a., einen besseren Überblick über die Verbreitung der einzelnen Arten im Münsterland zu erhalten. Dafür wurden bereits verschiedene Gewässer auf ihr Wassserfroschvorkommen untersucht. Für ein umfassendes Bild, ist aber die Meldung möglichst vieler Beobachtungen oder Kartierungen aus dem gesamten Münsterland (Stadt Münster, Kreise Warendorf, Steinfurt, Borken, Coesfeld) nötig.
Vorhandene Daten können entweder direkt in die Datenbank des Arbeitskreises für Amphibien und Reptilien NRW eingegeben (Fundmeldungen) oder an die Masterstudentin Anuschka Tecker (a.tecker@uni-muenster.de) gesendet werden.
Wichtige Infos bei der Meldung sind:
- welche Wasserfroschformen wurden nachgewiesen (P. lessonae, P. ridibundus, P. esculentus)
- wieviele Individuen
- Bestimmung aufgrund von: Aussehen (Habitus, Größe, Färbung, Fersenhöcker), Rufen, Vermessung (Biometrie), Gewebeproben (DNA), Arthinweis / Meldung durch Dritte (ohne weitere Bestimmung)
- Datum
- Ort / Gewässerbezeichnung (z. B. durch Koordinaten, Markierung auf einer Karte)
- Beobachter / Kartierer
- evtl. Karte und Fotos
Über Ihre Mithilfe würden wir uns sehr freuen!

38/11 Feuersalamander ist Art des Jahres 2016

DGHT AG Feldherpetologie

Auf der Tagung der DGHT-AG Feldherpetologie und Artenschutz in Germersheim am 31.10.2015 wurde der Lurch des Jahres 2016 vorgestellt: der Feuersalamander, Salamadra salamandra.

Mehr zum Salamander in NRW finden sie hier .....
Wenn Sie einen Feuersalamander gefunden haben können Sie hier eine Fundmeldung machen .....

Auf dem Foto von links: Richard Podloucky (Sprecher der AG), Axel Kwet (DGHT-Vorstand) und Darina Schmidt (Gestaltung).

38/12 Aufruf zur Mitarbeit: Zecken auf Eidechsen

Liebe Eidechsen-Fänger,

für unsere Untersuchungen zu Zecken, Lyme-Borreliose und Eidechsen brauchen wir viele lebende, am besten bereits an- und besonders aber auch vollgesogene Zecken von Eidechsen. Sie können uns dabei helfen!
Bitte sammeln Sie die Zecken, die Sie von Eidechsen entfernen, in den kleinen durchsichtigen Gefäßen, die wir zur Verfügung stellen. Damit die Zecken sich bei uns weiterentwickeln – sich also zum nächsten Stadium häuten – können, sind die Deckel dieser Gefäße gelocht. Bitte legen Sie vor dem Verschließen des Gefäßes ein Stück mitgelieferte Gaze zwischen Öffnung und Deckel, damit die Zecken nicht entweichen können.
Die mit Zecken gefüllten Gefäße zusammen mit einem feuchten – nicht nass – Taschentuch oder Küchenpapier in einer Reißverschluss-Plastiktüte im Kühlschrank aufbewahren, bis sich der Versand lohnt. Bitte möglichst nicht länger als 14 Tage lagern.
Bitte die Zecken von jeder Eidechse getrennt sammeln und das Gefäß mit Eidechsen-Art, Geschlecht, juv/adult, dem Sammel-Datum und einer möglichst genauen Ortsangabe beschriften.

Für Rückfragen können Sie mich gerne kontaktieren: dania.richter@tu-bs.de
Wir freuen uns über zahlreiche Zecken!

Besten Dank für Ihre Mithilfe!

Dr. Dania Richter
Umweltsystemanalyse: Institut für Geoökologie, Technische Universität Braunschweig, Langer Kamp 19c, 38106 Braunschweig; Tel: 0531 / 391 5625

38/13 Jahrestagung 2015

des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen

Sonntag 08.11.2015
NUA-Veranstaltungs-Nr.: 141

Veranstaltungsort:
Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes NRW (NUA), Siemensstr. 5, 45659 Recklinghausen; Tel. 02361/305-0, Fax: 02361/305-3340, E-Mail: poststelle@nua.nrw.de

Wir konnten am Sonntag 67 Teilnehmer in Recklinghausen begrüßen.

Fünf Themenschwerpunkte wurden am Sonntag geboten:
1. der Salamander-Cytridpilz als neue Gefahr für Schwanzlurche,
2. Zukunft der Erfassungen in Deutschland und NRW
3. Erfassung und Umsiedlung von Reptilien sowie
4. Amphibienschutz an Straßen

Programm
09:30: Tagungsbüro
10:00: Begrüßung
10:05-10:55: Dr. Sebastian Steinfartz: Der Salamander-Cytridpilz – eine Gefahr für unsere Schwanzlurche.
10:55-11:10: Dagmar Ohlhoff: Feuersalamander-Larvenmonitoring in der Eifel – Ergebnisse 2015.
11:10-11:25: Arno Geiger: Einführung von Hygieneregeln in NRW.
11:25-11:40: Dr. Ulrich Schulte, Arno Geiger & Richard Podloucky: Digitaler Verbreitungsatlas der Herpetofauna Deutschlands – 18 Jahre nach Günther, R. „Die Amphibien und Reptilien Deutschlands.“
11:40-12:10: Dr. Randolph Kricke & Martin Schlüpmann: Ziele, Anforderungen, Ergebnisse und Neuerungen des Online-Fundmeldesystem.
Mittagspause

13:40-14:30: Martin Schlüpmann: Methoden der Reptilienerfassung. Eine Übersicht.
14:30-14:50: Anja You: Die Schlingnatter im Lüsekamp und Boschbeeketal.
14:50-15:10: Klaus Jürgen Conze: Eidechsenpopulation im Süden Essens.
15:10-15:40: Christian Venne: Umsiedlung und Monitoring einer Population der Zauneidechse (Lacerta agilis) im Landschaftsraum Senne 2009-2014.
Kaffeepause
16:00-16:45: Arno Geiger: Amphibienschutz an Straßen in NRW – eine Übersicht. Vortrag als Pdf ... [10.809 KB]
16:45-17:00: Dr. Andreas Kronshage & Martin Schlüpmann: Die "Herpetokurse" am Heiligen Meer. Ein kurzer Rückblick über 10 Jahre.
Im Anschluss:
ab 17:00: Für Interessierte, die sich im Arbeitskreis stärker einbringen möchten: offene Zusammenkunft des Arbeitskreises

Der Fachverlag Natur + Text aus Brandenburg hatte sich kurzfristig angemeldet und bot auf seinem Büchertisch eine Reihe Bücher aus seinem Verlagsprogramm an.

Unser Arbeitskreis ist kein eingetragener Verein, sondern ein für alle offener Zusammenschluss der in NRW tätigen Amphibien- und Reptilienkartierer und -schützer. Den Aufruf an der offenen Arbeitskreissitzung im Anschluss an die eigentliche Tagung teilzunehmen nahmen noch etwa 15 Teilnehmer war. Für verschiedene Aufgaben fanden sich neue Mitarbeiter.

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Veranstalter

Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW
Landesgemeinschaft Naturschutz u. Umwelt NRW e.V.
Natur- und Umweltschutzakademie NRW

Letzte Änderung am Sonntag, 25. Juni 2017 um 12:40:04 Uhr.

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